Wieder eine neue Erfahrung: die Fahrt von Ooty nach Goa. Zuerst ging es mit einem klimatisierten Bus nach Mysore, dort sollte ich dann umsteigen und eine Stunde später mit dem Nachtbus nach Goa weiterfahren.

Im Bus lernte ich den tschechischen Englischlehrer Martin (:-)) kennen. Er war, wie sich herausstellte, ein ausgezeichneter Indienkenner, der den Subkontinent in den vergangenen 20 Jahren dutzende male bereiste. Ich saugte seine Infos auf wie ein Schwamm. Über unzählige enge Kehren schlängelte sich die Straße hinab ins warme Tiefland. Dabei konnten wir atemberaubende Ausblicke genießen. Wir durchquerten auch ein Tigerreservat, konnten aber leider keine der scheuen Raubkatzen sehen.

Im Nachtbus nach Goa

In Mysore angekommen, fuhren wir beim fantastischen Amba Vilas Palast vorbei. Ich hatte leider keinen Stop eingeplant, und so konnte ich die Stadt nicht erkunden. Martin erzählte mir, wie schön dieser Palast sei, welcher erst im 19. Jahrhundert erbaute wurde. Ärgerlich, doch das wusste ich vorher nicht. Naja, halt das nächste mal, da wird es dann ein MustSee.

Eine Stunde später ging es mit dem Nachtbus Richtung Goa. Die Busse waren mit Liegekojen ausgestattet und so konnte ich den Großteil der Fahrt schlafend verbringen. Das Gerüttel und Gehupe sowie die Lautstärke meiner indischen Mitreisenden konnte ich inzwischen gut ausblenden. Unter mir schaute sich mein Nachbar auf seinem Smartphone einen Actionfilm an, natürlich ohne Kopfhörer zu benutzen. Rechts neben mir spielte eine Familie mit Ihren Kindern bis spät in die Nacht auf ihrer Pritsche. Zum Abschluss gab es noch eine Kinderserie am Smartphone, in voller Lautstärke, natürlich auch ohne Kopfhörer. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn mitten in der Nacht ein Anruf reinkommt, diesen anzunehmen und lautstark zu beantworten. Aber wie gesagt, das blendet man mit der Zeit aus. Die Musiksammlung auf meinem Handy (über Kopfhörer) lullte mich schließlich in den Schlaf.

Wo geht es zum Quartier?

Die Reise verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle (nur ein Reifenplatzer) und um 5.30 Uhr kam ich in Palolem, im südlichen Goa an. Dort hatte ich großes Glück. Der ganze Ort war noch im Tiefschlaf und es war nur ein einziger Rikschafahrer unterwegs, der sofort anhielt und mich zu einem annehmbaren Preis in mein 4 km entferntes Quartier brachte. Mit meinen Rucksäcken wäre diese Strecke eine ziemliche Tortur geworden.

Idyllische Bucht nördlich von Agonda, Goa

Idyllische Bucht nördlich von Agonda


Wissenswertes über Goa:

Goa ist der kleinste indische Bundesstaat (3702 km²) und hat ungefähr die Größe Burgenlands, dabei aber 1,5 Millionen Einwohner. Er besitzt eine 102 km lange Küste, an denen die schönsten Strände von Indien zu finden sein sollen. Die Hauptstadt ist Panaji. 1510 eroberten die Portugiesen diesen wunderschönen Landstrich und gaben ihn 450 Jahre nicht mehr her. Erst 1961 als die Inder mit 20 facher militärischer Überlegenheit in Goa einmarschierten, kam das Land unter Ministerpräsident Nehru wieder unter indische Herrschaft.

In den 70er Jahren kamen vermehrt Blumenkinder, angezogen von billigen Drogen und idyllischen Sandstränden über den Hippietrail am Landweg nach Goa. Mit der Zeit veränderte sich die Gegend und anstatt kleiner Strandhütten und Hippies kamen Hotelketten und Pauschaltouristen. Diesen verdankt Goa den höchsten Lebensstandard Indiens, der Hippieflair ist dabei allerdings verloren gegeangen. Heutzutage zieht es vermehrt Russen nach Goa. Auch viele Israelis die nach ihrem jahrelangen, harten Wehrdienst Entspannung suchen, sind hier anzutreffen.

Ausblick in den Dschungel, Agonda, Goa
Ausblick in den Dschungel

Welcome to the jungle?

Ich wählte bewusst eine Quartier im Hinterland, da ich sowieso vorhatte mir ein Motorrad auszuborgen mit dem ich mobil war. Es war noch ziemlich dunkel als ich ankam, aber ich hörte die Dschungelgeräusche und aus der Ferne war unverkennbar sanftes Meeresrauschen zu vernehmen. Da noch niemand an der Rezeption war, erkundete ich das kleine Resort und entdeckte eine Gruppe, die unter einer überdachten Plattform saß. Sogleich wurde ich eingeladen mich zu setzen und war unvermutet in einen privaten Yogalehrerkurs geraten. Wie geil. Es folgte die Morgenmeditation, Mantrasingen und Teetrinken. Om shanti.

Sonneunstergang, Agonda Beach, Goa
Sonneunstergang am Agonda Beach, Goa

Was gibt es hier zu sehen?

In den folgenden Tagen erkundete ich die Gegend. Mein Quartier lag genau zwischen den zwei südlich gelegenen Stränden Goas, Agonda und Palolem. So konnte ich mir aussuchen, wohin ich täglich schwimmen gehen wollte. Beide Orte sind noch nicht so überlaufen wie die bekannteren nördlichen Strände. Es gibt auch noch keine großen Ressorts oder Hotels. Zahlreiche Familien oder ruhesuchende Backpacker bevölkern diese beiden idyllisch gelegenen Landstriche. Restaurants und Souvenirstände gibt es bereits zur Genüge. Für das leibliche Wohl, als auch für allerlei Tand für Einkaufswütige ist gesorgt.

Ausblick vom Fort Cabo dem Rama, Goa
Ausblick vom Fort Cabo dem Rama


Cabo de Rama

Einmal machte ich einen Ausflug zu einer nahegelegenen, ehemals portugiesischen Festung aus dem 16. Jahrhundert, namens Cabo de Rama. Diese wurde gerade sanft renoviert, der Eintritt war kostenlos und ich konnte in der unbarmherzigen Mittagshitze die Überreste dieser Anlage bestaunen. Die begehbaren Mauern des Bauwerks führen bis zu einem Cap, von wo aus ich einen fantastischen Rundumblick auf die Steilküste und das arabische Meer genoss. Dabei wurde ich von einem Schwarm Seeadlern umkreist, die mich misstrauisch beäugten.

Fort Cabo de Rama, Goa
Fort Cabo de Rama

It´s amazing

Man macht auf Reisen immer wieder interessante Bekanntschaften. In meinem Quartier traf ich eine junge Kanadierin, mit dem spirituellen Namen Devi. Sie half dort beim Yogalehrerkurs aus und bekam dafür gratis Kost und Logis. Sie fand fast alles „wow“ und „amazing“ und natürlich „great“. Vor allem aber „wow“. Wobei ich sagen muss, dass ich nichts gegen Begeisterung habe und es toll finde, wenn jemand für ein Thema brennt. Aber die Dosis macht das Gift. Sie erzählte mir von ihrem spirituellen Trip durch Indien. Sie hat sogar in Varanasi im Ganges gebadet. Das ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, welche Konzentration von Fäkalien, Schwermetallen und sonstigen Umweltgiften in dessen Wasser vorhanden sind. Außerdem war sie ausgebildete Reiki Masseurin und bot mir ihre Dienste an. Ich lehnte dankend ab. War mir zu „amazing“.

Strafzettel: one hundrayd rupies only

It´s for your safety

Bei einer meiner Motorradfahrten nach Palolem geriet ich in eine Verkehrskontrolle. 100 Rupies Strafe für Fahren ohne Helm. Mit der Begründung: „It´s for your safety“. Das Bußgeld war jetzt wahrlich nicht existenzgefährdend, umgerechnet ergibt das € 1,24. Andererseits gibt es dafür an Straßenständen schon ein ausgiebiges Mittagessen. Dazu muss man sagen, dass der Helm, der beim Motorrad dabei war, die Schutzwirkung einer Schihaube und nach vielen Jahren im Einsatz, ganz offensichtlich den hygienischen Zustand einer Bahnhofstoilette hatte (okay, vielleicht ein bisschen übertrieben, aber nur ein wenig). Während ich meinen Strafzettel ausgestellt bekam, brausten sicher dutzende indische Motorradfahrer ohne Helm ungestraft an uns vorbei. Na ja, alles für die Sicherheit der ausländischen Gäste.

Holy cow on the beach, Agonda, Goa
Holy cow on the beach
Fischer am Agonda Beach, Goa
Fischer am Agonda Beach
Meditation bei Sonnenuntergang, Agonda, Goa
Meditation bei Sonnenuntergang am Agonda Beach

Nach drei gemütlichen Tagen hieß es dann wieder aufbrechen. Schweren Herzens verließ ich das idyllische Goa. 500 km weiter nördlich wartete schon der über 30 Millionen Einwohner zählende Moloch Mumbai auf mich.

Sonnenuntergang am Agonda Beach, Goa
Sonnenuntergang am Agonda Beach
Goa – Palmenstrände am arabischen Meer
Tagged on:                                     

Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

See all posts by martin-wieser

3 thoughts on “Goa – Palmenstrände am arabischen Meer

  • 18. Feber 2019 at 8:52
    Permalink

    Goa, wunderbar beschrieben und herrliche Aufnahmen, nur weiter so, Franz.

    Reply
  • 22. Feber 2019 at 17:38
    Permalink

    Gespannt und wartet auf nächste Story

    Reply
  • 24. Feber 2019 at 9:22
    Permalink

    Hi Martin, danke für den aktuellen Bericht. Ich wär wahrscheinlich länger in Goa geblieben 🙂
    Keine Ahnung warum, aber mein Highlight ist wieder ein Tierbild: die holy cow ist großartig. Echt ein sehr photogenes Exemplar.
    Hoffentlich wirds dir in Mumbai nicht zu stressig. Bin schon gespannt…
    Liebe Grüße
    Stephan

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.