Koloniale Schönheit

Ich hatte Glück und bekam mitten in der wunderschönen Altstadt (Fort Kochi) einen kleinen, ruhig gelegenen Homestay und genoss dort das bunte internationale Treiben. Die Stadt hat eine ausgeprägte koloniale Vergangenheit.

Fischer bei der Arbeit mit Chinesische Fischnetzen, Kochi

Chinesische Fischnetze

Chinesische Fischnetze

Holländer, Portgiesen und Briten

Zuerst kamen Portugiesen, dann die Holländer und schließlich die Briten. Alle hinterließen ihre architektonischen Spuren. Zahlreiche Straßencafés und Restaurants prägen das Stadtbild.

Chinese Fishnets

Abends beobachtete ich an der nahegelegenen Uferpromenade Einheimische bei einer speziellen Art des Fischens. Dabei werden sogenannte chinesische Fischernetze verwendet. Diese werden über lange Stege und mittels Stangen über ein Flaschenzugsystem zu Wasser gelassen und dann gleich wieder herausgezogen, eine der Hauptattraktionen der Stadt. Gegen einen kleinen Obulus durfte ich die Fischer unmittelbar bei Ihrer Arbeit fotografieren.

Umweltsünden

Fischer in Kochi

Die Ausbeute war leider ein bißchen mager

Die Altstadt an und für sich ist sehr schön gelegen und meiner Meinung nach hätte sie sogar das Zeug zum Weltkulturerbe, hätten sie nicht am Ufer gegenüber einen riesigen, hässlichen Industriekomplex bestehend aus Hafenanlagen, Raffinerien und sonstigen wasserverschmutzenden Anlangen hingestellt.

St. Francis Church, Kochi
St. Francis Church
Alte Royal Enfield – irgendwann borg ich mir so ein Ding aus
Riesenbaum mitten in der Altstadt von Kochi
Riesenbaum mitten in der Altstadt von Kochi

Where do you come from?

Beim Abendessen traf ich dann einen anderen Alleinreisenden und wir kamen zu unserer Freude im Gespräch darauf (Where do you come from?), dass wir beide der österreichischen Sprache mächtig waren. Fabian, ein Koch aus Oberösterreich, der ebenfalls ein paar Wochen in ganz Indien unterwegs war, weihte mich aus Insidersicht in einige mir bis dahin verschlossen gebliebenen Geheimnisse der indischen Küche ein. Außerdem gab er mir noch ein paar Tipps für Nordindien, auf die ich später sicher noch zurückkommen werde.

Kurztrip nach Ernakulam

Die Altstadt von Kochi ist sehr malerisch, zahlreiche Kolonialbauten prägen das Stadtbild. Ich streifte aber auch durch das benachbarte muslimische Viertel und konnte dort ein paar sehr interessante Fotomotive ausfindig machen. Mit der extrem günstigen Fähre (5 Rupies), fuhr ich dann ins Geschäftsviertel in den Stadtteil Ernakulam, drehte dort eine kurze Runde, stellte fest, dass es nicht viel zu sehen gab und fuhr wieder zurück.

Katze mit 2 verschiedenen Augenfarbenauf rosa Mauer in Kochi
Farbenspiel
Büro der kommunistischen Partei in der Altstadt von Kochi
Die kommunistische Partei ist in Südindien sehr stark
verschmutzter Kanal in der Altstadt von Kochi

Die Kanäle in der Stadt sind noch schmutziger als die in Venedig

Coimbatore

Abermals hieß es, mein heimeliges Quartier zu verlassen, um diesmal Richtung Ooty (offiziel Udhagamandalam) aufzubrechen. Dort gab es eine denkmalgeschützte, dampfbetriebene Zahnradbahn, die mich von Coimbatore (auf 350 m Seehöhe gelegen) über eine sehenswerte Strecke durch den Dschungel der Westghats in das auf 2371 m hoch gelegene Ooty bringen sollte. Ich betone sollte, denn wie ich am Bahnschalter in Coimbatore erfuhr, waren die Tickets schon ein Monat vor Fahrantritt ausgebucht. Man hätte vielleicht noch die Chance eine Karte zu bekommen, wenn man sich um 4:30 am Morgen anstellte. So enttäuschend, so gut. Davon haben Sie mir in Kochi nichts gesagt.

Am Abend traf ich in der nicht sonderlich attraktiven Stadt einen jungen Tschechen beim Abendessen in einer Straßenküche. Er war mit Freunden mit Mofas in Südindien unterwegs. Eine sehr interessante, aber nicht ganz ungefährliche Art des Reisens, wenn man die Verkehrs- und Straßenverhältnisse hier kennt.


Aufbruch ins Hochland

Am nächsten Morgen ging es dann per Bus (Zug ging ja nicht, grummel grummel) über eine abenteuerliche Bergstraße in unzähligen Kehren, durch einen wirklich wunderschönen Wald, meinem Ziel entgegen. Ich hatte zwei Tage in Ooty eingeplant und wollte dort ein wenig wandern und mir die Gegend ansehen. Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, hätte ich einen weiten Bogen um die Stadt gemacht.

Teefelder bei Ooty
Teefelder bei Ooty

Wanderung auf den Mount Doddabetta

Gleich am Ankunftstag unternahm ich eine Wanderung auf den 2633 Meter Seehöhe gelegenen Mount Doddabetta und fand das Anfangs auch ganz amüsant. Unter Anleitung meiner Navigationsapp führte mich die Wanderung über einen aromatisch duftenden Eukalyptuswald, durch Teefelder auf den nicht schwer zu erreichenden Gipfel. Je näher ich dem Gipfel kam, umso lauter wurde es. Als ich dann endlich oben ankam, musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass hunderte Inder den Berg bevölkerten, die über die asphaltierte Mautstraße heraufgekommen waren. Überall sah man selfiesüchtige Einheimische und ich wurde selbst ein beliebtes Fotomotiv auf dem ansonst nicht sehr aufregenden Hügel. Ich ging dann wieder zu Fuß zurück und hatte so zumindest ein paar Kilometer abgespult.

Es kann in Indien auch kalt sein

Mein Quartier war trotz guter Bewertungen in Booking.com eher eine finstere, feuchte und wie ich nächstens noch erfahren sollte, auch eine sehr kalte Bleibe. Ich befand mich ja auch auf über 2000 m Seehöhe. Tagsüber war es zwar angenehm war und deutlich kühler als an der Küste und im Tiefland, in der Nacht fielen die Temperaturen dann sogar in Richtung Gefrierpunkt. Damit hatte ich in Südindien wahrlich nicht gerechnet und die erste Nacht vor Kälte schlotternd, mit wenig Schlaf hinter mich gebracht. Immerhin die Dusche spendete heißes Wasser und brachte meine Lebensgeister wieder auf Touren.

Sightseeing

Am nächsten Tag, die Nacht war nicht mehr ganz so schlimm wie die erste, habe ich mir dann eine geführte Tour aufschwatzen lassen. Dabei sollten alle „Sehenswürdigkeiten“ der Gegend abgeklappert und mir der Fahrer den ganzen Tag zur Verfügung stehen. Ich hätte mich vorher besser informieren sollen, denn was folgte war wahrlich keine einzige Rupie wert.

Zuerst ein nicht sonderlich interessanter Wasserfall, frequentiert von hunderten Indern aus den umliegenden Städten. Danach ging es an einen Stausee und dort konnte man dann 20 Minuten Bootfahren, völlig überteuert und landschaftlich unattraktiv. Ich dachte, jetzt kann es ja nur mehr besser werden. Weit gefehlt.

Der nächste Stopp war der Besuch einer Tee- und Schokoladenfabrik. Sehr spannend. Okay die Maschinen zur Teefermentation waren ganz interessant und ich bekam als einziger Europäer eine Sonderverkostung. War aber sonst eher nicht das, weshalb ich hierhergekommen war. Danach wollte mein Fahrer mit mir noch auf den Mount Doddabetta fahren, was ich dankend ablehnte, da ich den Hügel ja bereits am Vortag erklommen hatte.

Dann ging es weiter zu einem Aussichtspunkt (Shootingpoint) auf einen vertrockneten Grashügel mit einem trostlosen Ausblick auf andere vertrocknete Grashügel, wieder frequentiert von unzähligen Menschen.

Nach dem Mittagessen ging es dann in den botanischen Garten von Ooty. Gut, der war ganz interessant, aber auch die Reise nicht wert. Danach sollte der Höhepunkt des Tages folgen. Eine teure Tretbootfahrt auf dem verdreckten Ooty Lake. Das hätte ich in Laxenburg billiger haben können.

Ich habe versucht meinem Fahrer, der nicht sonderlich gut Englisch sprach, klar zu machen, dass ich leidlich enttäuscht von dieser Tour war. Worauf er seinen Boss anrief und meinte, er könne mich noch gegen einen „bescheidenen“ Aufpreis in einen Pinienwald mit einer Hängebrücke für Kinder und einen Aussichtspunkt führen. Als ich meinte, ich hätte genug von diesen sogenannten Attraktionen, gab er mir diese Erweiterung der Tour gratis, um mich zu beruhigen. Doch auch dieser Ausflug war nicht sonderlich attraktiv.

Jetzt war nur noch eine Nacht frierend zu überstehen und dann ging es per Nachtbus wieder an die Küste, an den Ort mit den magischen 3 Buchstaben – GOA.

Von Kochi nach Ooty
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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3 thoughts on “Von Kochi nach Ooty

  • 14. Feber 2019 at 11:56
    Permalink

    Deine Berichte sind sehr spannend und aufschlussreich, wir freuen schon immer wenn ein neuer interessanter Bericht da ist. Deine Erlebnisse lesen wir immer mit großem Interesse. Hoffen das noch viele kommen werden. Besonders deine Bilder sind von hoher Qualität , welche uns immer sehr gut gefallen. Nur so weiter und noch viele schöne Erlebnisse, wünschen die Franz und Ingrid.

    Reply
    • 14. Feber 2019 at 14:19
      Permalink

      Hallo Ingrid, hallo Franz,
      freut mich sehr, dass euch meine Berichte und Bilder gefallen. Da kommt bald wieder mehr 🙂
      GLG
      Martin

      Reply
  • 24. Feber 2019 at 9:08
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    Hi Martin, auch, wenns für dich enttäuschend war, genieße ich deinen Bericht. Die schöne Fotos geben ja in dem Fall wahrscheinlich nur die wahren Highlights wieder (bis auf den Kanal).
    Besonders gut gefällt mir die Katze – die Komposition mit den Augen ist echt ein Traum!

    Liebe Grüße
    Stephan

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