Bogota die Hauptstadt Kolumbiens überrascht. Auf vielerlei Art. Zuerst wäre da einmal das Klima. Obwohl in Äquatornähe auf 2640 Meter Seehöhe gelegen, erinnert das Wetter mit seinen niedrigen Temperaturen und aufgrund der Häufigkeit der Niederschläge eher an die britischen Inseln. Es heißt warm anziehen und Regenkleidung nicht vergessen.

Bogota Abendstimmung
Abendstimmung in Bogota

Graffitihauptstadt

Und noch eine Überraschung hat die Stadt parat. Bogota ist unglaublich bunt, dank der vielen künstlerischen Graffitis, die überall in der Stadt von den Häuserwänden prangen. Es scheint, als wollen sie mit ihrer Buntheit dem tristen Wetter Paroli bieten, die graue Stadt verschönern, lebenswerter machen.

Fahrradfahren am Wochenende

Auffällig ist die Fahrradbegeisterung der Bewohner, die sich vor allem an den Wochenenden bemerkbar macht, wenn die wichtigsten Durchfahrtsstraßen von Bogota für den Autoverkehr gesperrt sind. Dann dominieren Fahrräder das Bild der Stadt, und wo sonst unzählige Autos die Straßen der 5 Millionen Einwohnermetropole verstopfen und die Luft mit ihren Abgasen verpesten, radeln jetzt bunt gekleidete, moderne Ritter, die sich auf muskelbetriebenen Schlachtrössern ihre Stadt zurückerobern.

Bogota Ausblick vom Monserrate
Ausblick auf Bogota vom Monserrate

Es ist schon seltsam, die größte Stadt des Landes hat keinen öffentlichen Schienenverkehr, keine Metro oder Straßenbahn. Das wichtigste Verkehrsmittel ist der Transmilenio, große Gelenksbusse, welche auf eigenen für sie reservierten Straßenabschnitten die Rolle einer U-Bahn übernehmen. Der Andrang gerade zu Stoßzeiten ist enorm, ihre Kapazitäten schnell überschritten. Die vollen Busse scheinen zu platzen, so eng drängen sich die Menschen darin.

Studentenprotest

Bógota ist auch eine Universitätsstadt. Studenten bevölkern die Altstadt und das Universitätsviertel und beleben ihre Straßen und Plätze. Während unseres Aufenthaltes gab es Studentenunruhen, unser Viertel war teilweise von Straßenblockaden abgeriegelt. Abends war der Spuk wieder vorbei, ohne dass wir es mitgekriegt hätten, wir wissen nicht einmal wogegen protestiert wurde.

Wie ich in den folgenden Wochen noch erfahren sollte, kommt das in Südamerika häufig vor. Es wird einmal ein paar Tage protestiert, manchmal kommt was dabei raus, öfter aber bleibt der Status Quo und es geht alles wieder seinen gewohnten Gang. (ich habe das geschrieben, bevor die Unruhen in Ecuador, Chile und Bolivien aufgekommen sind)

Anreise mit Hindernissen

Bevor ich Bógota erkunden kann, muss ich allerdings noch ein paar Hürden überwinden. Am Flughafen von Medellin, wo ich die letzten 5 Wochen vor allem zum Spanisch lernen verbracht habe, bin ich noch voller Vorfreude. Doris kommt am Abend in Bogota an. Wir treffen uns am Flughafen und fahren gemeinsam in unser Quartier nach Candelaria, der Altstadt von Bogota. Wir werden die nächsten 3 Wochen wieder einmal zusammen zu reisen. Endlich wieder als Paar unterwegs sein, die Vorfreude war groß. So lautete der Plan. Aber wie so oft, läuft nicht immer alles planmäßig, schon gar nicht in Südamerika.

Am Flughafen in Medellin beobachte ich sorgenvoll an der Anzeigetafel, wie mein Flug wieder und wieder verschoben wird. Ich werde leicht nervös. Auf einmal leuchtet dort, wo normalerweise die Abflugzeit steht, ein hämisches „cancelled“. Fuck – was soll das jetzt. Ich versuche mit meinem rudimentären Spanischkenntnissen herauszufinden wie es weitergehen soll. Der Angestellte am Gate schickt mich zurück zum Check In. Ich hetze über den gesamten Flughafen zurück. Nach kurzer, hektischer Verhandlung steht fest, ich kann mit dem nächsten Flug, eine Stunde später nach Bogota fliegen.

Uff – das wäre sonst echt kompliziert geworden: Doris in Bogota, ich in Medellin ohne Möglichkeit zu kommunizieren. Aber alles gut, der zweite Flieger kommt rechtzeitig in Bogota an und wir konnten nach langer Zeit wieder einen gemeinsamen Abend verbringen, hurra.

Salsa am Plaza Quevedo

Es ist Samstagabend und Candelaria scheint trotz des kühlen Wetters vor Lebensfreude zu kochen. Der Platz Quevedo, in unmittelbarer Nähe unseres Quartiers, ist bevölkert von Salsa tanzenden jungen Leuten. Fröhliche, beschwingte Rhythmen begleiten ihre galanten Tanzbewegungen und verschönern mit ihrer Anmut unseren Abend. Vergessen sind die Wirren der Anreise, chillen ist angesagt.

Plaza de Quevedo
Plaza de Quevedo

Am nächsten Tag geht es dann weiter auf Erkundungstour, Bogota möchte entdeckt werden.

Anbei ein paar ausgewählte von uns selbst durchgeführte Unternehmungen, als Anregung für deinen Aufenthalt in Bogota.

8 Tipps für deinen Bogotaaufenthalt

Unterkunft

Wir haben uns bei unseren zwei Stopps in Bogota in den Schwesternhotels, in Candelaria niedergelassen: Bed & Breakfast Chorro de Quevedo  + Hotel Casa Guadalupe. In wenigen Gehminuten von dort findest du alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Altstadt von Bogota. Das Frühstück ist gut und im Hotel Casa Guadalupe gibt es neben warmem Wasser sogar noch einen Heizstrahler. Nicht lachen, wir haben den echt gebraucht. Hier findest du weitere Unterkünfte in Candelaria 

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Essen in Candelaria

Wenn du etwas besser speisen möchtest, kann ich zwei Lokale Nahe dem Platz Chorro de Quevedo empfehlen: Das El Gato Gris und das Merlin Café. Wenn du auf das Budget schauen musst, findest du in der näheren Umgebung zahlreiche einfache Restaurants mit Menüpreisen von COP 10.000,–

Monserrate

Mit der Seilbahn unweit der Altstadt geht es auf den Taquilla Monserrate, ein Kloster und genialer Aussichtspunkt auf 3000 m Seehöhe gelegen. Oben angekommen, lassen uns die ersten Stufen leicht außer Atem kommen, wir sind noch nicht ganz akklimatisiert und die ungewohnte Höhe macht uns zu schaffen. Die Aussicht über die 5 Millionen Einwohner zählende Metropole Bogota ist wunderschön und ein nettes, im schicken Jugendstil gehaltenes Café, lädt zum verweilen ein. Dazu bestellst du dir am besten köstliche heiße Schokolade und Kuchen.

Monserrate, Aussichtsberg über Bogota
Monserrate
Café auf dem Monserrate
Café auf dem Monserrate

Ticket hin und retour kostet 21.000,– COP. Einfache Fahrt 12.000,–. Am Sonntag ist es noch billiger, COP 6.500,– für die einfache Fahrt und COP 12.000,– für die Hin- und Rückfahrt. Es kann dann aber ziemlich voll werden und du musst mit Wartezeiten beim Einstieg und großem Gedränge auf der Aussichtsplattform rechnen. Wenn möglich, am besten unter der Woche auf den Berg fahren. Die aktuelle Öffnungszeiten findest du hier.

Altstadtrundgang

Durch die Altstadt von Bogota kannst du gemütlich bummeln, in der Nähe des Goldmuseums im Parque Santander, die Iglesia de San Francisco im Hintergrund, kannst du Skateboarder bei ihren waghalsigen Kunststücken beobachten, während du einen Maiskolben verspeist, der an den Ständen frisch gebraten wird. Am Plaza de Bolivar de Bogota bestaunst du die Capilla del Sagrario, das Capitolio Nacional und den Palacio de Lievano.

Altstadt in Bogota

Free Graffiti Tour

Freie Tour, erwartet wird eine Spende von 25.000,– COP. Dauer 2 ½ Stunden. Sehr informativ. Du lernst neben den interessantesten Graffitis (eigentlich Streetart) auch einiges über vergangene und noch immer schwelenden Konflikte im Land, die in den Malereien der Künstler ihren Ausdruck finden.

Graffiti in Bogota
Graffiti in Bogota

Du kannst auch ohne Anmeldung teilnehmen, einfach vor dem Start der Tour zum Treffpunkt in den Parque de los Periodistas kommen. Die Touren starten täglich um 10 Uhr vormittags und 14 Uhr nachmittags.

Graffiti in Bogota

Infos und Anmeldung

Museo Botero

Dem berühmtesten zeitgenössischen bildenden Künstler Kolumbiens, Fernando Botero ist ein eigenes Museum gewidmet. Botero wohnt in Bogota, vielleicht hast du sogar das Glück ihn im Museum anzutreffen. Neben den sehenswerten Werken Boteros gibt es auch einige Werke berühmter Künstler aus der ganzen Welt zu bestaunen. Von Picasso, Dalí und Miro bis hin zu südamerikanischen Künstlern reicht die Palette der ausgestellten Kunstwerke.

Museo Botero
Museo Botero
Bild von Miró
Museo Botero

Der Eintritt in dieses sehenswerte Museum ist erstaunlicherweise kostenlos.

Infos und Öffnungszeiten

Goldmuseum – Museo del Oro

In diesem Museum nahe dem Zentrum von Bogota findet sich eine einzigartige Vielfalt von präkolumbischen Fundstücken. Diese sind glücklicherweise der Gier der Konquistadoren nicht zum Opfer gefallen und nicht eingeschmolzen worden. Die in einem Bankgebäude ausgestellten Artefakte sind unbedingt einen Besuch wert.

Gold Museum in Bogota
Gold Museum Bogota

Infos und Öffnungszeiten

Die Salzkathedrale in Zipaquirá

Tagesausflug nach Zipaquirá in die sehenswerte Catedral de Sal. Das ehemalige Salzbergwerk hat eine lange Geschichte hinter sich. Es wurde bereits von Alexander von Humboldt auf seiner Reise durch Südamerika besucht. Er beschreibt in seinen Reiseberichten die brutalen Zustände, unter denen die hauptsächlich indigenen Zwangsarbeiter schuften mussten.

Catedral de Sal Eingang
Eingang zur Catedral de Sal

In jüngster Vergangenheit wurde das Bergwerk zu einer gigantischen unterirdischen Kathedrale umgebaut. Der Kreuzweg ist, wie fast alles in diesem Gebäude, aus dem Gestein heraus gehauen. Ebenso die riesigen, Hochhaus hohen Säle, welche in buntes Kunstlicht getaucht sind. Die Dimensionen sind erstaunlich. Natürlich darf auch ein Markt mit Souvenirläden, Getränken und Snacks nicht fehlen. Aktuelle Infos und Öffnungszeiten findest du hier . Eintritt pro Person 57.000,– COP (Stand 2019).

Catedral de Sal
Catedral de Sal

Wie kommst du hin? Vom zentralen Busbahnhof in Bogota wo du ein Ticket in Richtung Zipaquirá kaufen kannst. Preis für die einfache Fahrt pro Person COP 5.700,–. Alleine die Anreise ist schon ein Abenteuer für sich. Der Bus bleibt alle paar Meter stehen, und der Buskeiler ruft lautstark sein Fahrziel aus und immer wieder steigen Leute unterwegs zu. Dadurch dauert die 50 km lange Fahrt fast 2 1/2 Stunden.

Hauptplatz von Zipaquirá
Hauptplatz von Zipaquirá

Schneller, aber teurer ist die Fahrt mit einem Privattaxi, einem Touranbieter oder einem Leihwagen.

Warst du selbst schon in Bogota? Mich interessiert auch wie du die Stadt empfunden hast. Planst du dorthin zu fahren und brauchst noch weitere Infos? Ich helfe gerne und freue mich auf eure Fragen und Anregungen im Kommentarfeld.

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Bogota – die kühle Hauptstadt Kolumbiens
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Martin Wieser

der Niederösterreicher hat mit 49 Jahren seinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. Er beschreibt und bebildert seine Erlebnisse auf dieser Seite und will vor allem eines: deine Reiselust wecken.

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