Auf Langkawi habe ich erstmals vom Taman Negara Nationalpark gehört. Der Regenwald dort ist sagenhafte 160 Millionen Jahre alt. Die einzigartige geografische Lage Indonesiens macht das möglich, denn die tektonische Platte, auf der sich Malaysia befindet, hat seitdem seine Lage in den Tropen beibehalten, weshalb der Wald sich ungestört entwickeln konnte, bis heute.

Das muss ich natürlich sehen und schon sitze ich im Bus – ich bin fast 2 ganze Tage unterwegs, um dort hinzukommen. Die 300 km lange Anreise habe ich unterschätzt, ganz schön viel Aufwand für einen Wald, aber rückblickend war er das wirklich wert.

Von Kuala Lumpur fährt einmal pro Tag ein Bus von gewissen Hotels in Chinatown nach Kuala Tahan, dem Ausgangspunkt für die Unternehmungen im Nationalpark.

Von Tioman kommend, muss ich zuerst mit dem Bus von Mersing nach Kuantan. Nach einer Übernachtung fahre ich am nächsten Morgen weiter nach Jerantut, der letzten größeren Stadt bevor es endlich in den Nationalpark nach Kuala Tahan geht. Von Kuala Lumpur aus wäre das bedeutend einfacher gewesen.

Und wieder einmal Palmölplantagen

Bis kurz vor dem Nationalpark bietet sich vom Bus aus das verstörende Bild von kilometerlangen Palmölplantagen. Man bekommt das Gefühl, dass in Malaysia gar nichts anderes mehr wächst. Man wird nachdenklich, wenn man weiß, dass das Öl dieser Nutzpflanze unter anderem in der Kosmetikindustrie Verwendung findet, hauptsächlich aber als biologischer Zusatz unseren Treibstoffen beigesetzt wird. Damit tragen wir dazu bei, dass 160 Millionen Jahre alter Wald unwiderruflich verloren geht. Noch immer wird Tag für Tag Wald gerodet. Wahnsinn – Zorn und Unverständnis machen sich bei mir breit.

Ortszentrum von Kuala Tahan
Ortszentrum von Kuala Tahan
Kuala Tahan
dörfliche Idylle im Dschungel

Endlich in Kuala Tahan angekommen suche ich meine Unterkunft, die nur ein paar Schritte von der Busstation entfernt liegt. Es ist ein klimatisiertes ganz gemütliches Zimmer, nur im Badezimmer hat sich um das Waschbecken hartnäckiger schwarzer Schimmel ausgebreitet. Die überaus netten Hotelbetreiber versuchen den üblen Geruch mit Mottenkugeln zu bekämpfen. Die daraus resultierende Geruchsmischung ist unbeschreiblich grauenhaft. Die Mottenkugeln fliegen gleich einmal raus, der Schimmelgeruch allein ist noch halbwegs erträglich. Ich denke die eine Nacht werde ich das aushalten, morgen geht es in den Urwald, da gibt es wieder jede Menge gut riechende, frische Luft.

Tour buchen leicht gemacht

Ich buche im ein paar Meter entfernten Ortszentrum bei einem lokalen Tourenveranstalter meine Zweitagestour in den Dschungel. Kosten: 230,– MYR, inkl. Verpflegung, Tourguide und Höhlenübernachtung.

Am nächsten Morgen bekommt jeder Teilnehmer noch einen Schlafsack, eine Unterlagsmatte, Essgeschirr sowie ein paar Lebensmittel und zwei große Wasserflaschen. Danach geht es zu Fuß zum Fluss. Mit mir wollen noch zwei Niederländer, zwei Deutsche, zwei Italiener und zwei Spanier den Urwald durchqueren. Und ratet mal, wer wieder einmal der älteste in der Truppe war. Mir kommt manchmal vor, dass ich der einzige Endvierziger mit Rucksack auf der ganzen Welt bin. Gibt es noch mehr von uns da draußen? Meldet euch!

Bootsanlegestelle in Kuala Tahan
Bootsanlegestelle in Kuala Tahan

Take nothing but photos, leave nothing but footprints

Mit dem Boot überqueren wir den Fluss und kaufen uns zuerst ein Permit für den Nationalpark. Jeder muss dort eine Liste mit den Dingen ausfüllen, die er in den Urwald mitnimmt. Batterien, Handys, Fotoapparate, jede Plastiktüte und jedes verpackte Lebensmittel, alles wird notiert. Die Parkranger behalten sich vor das genau zu kontrollieren. Was in den Dschungel reinkommt, muss auch wieder mit rausgebracht werden, es darf kein Müll im Urwald zurückbleiben. Wenn etwas fehlt gibt es satte Geldbußen. Ich finde diesen Ansatz richtig und ich habe kaum Müll im Wald entdecken können, obwohl zeitweise richtig viele Leute auf den Pfaden unterwegs sind.

Der Author am Boot auf dem Weg zum Dschungeltrek in den Taman Negara Nationalpark

Auf dem Boot

Nach der Registrierungsprozedur besteigt unser internationaler Trupp das Boot, das uns bei Niedrigwasser in den Dschungel bringt. Es geht über flache Wasserfälle flussaufwärts, immer wieder schrammt das Boot am steinigen Grund oder aus dem Wasser ragenden Totholz. Unser erfahrener Bootsmann meistert alle Gefahrenstellen bravourös, Hut ab. Wir sehen eine andere Gruppe, die nicht soviel Glück hat wie wir, sie müssen das Boot verlassen und einige Meter die Stromschnellen entlang des Ufers waten, bevor sie wieder weiterfahren können.

Unser Guide Ajip ist ein kleiner, drahtiger Mann, er ist bereits über 40 (aber immer noch jünger als ich). Er ist anfangs noch sehr nett und erzählt uns viel über den Dschungel, die Tiere, die darin leben und zeigt uns auch immer wieder besondere Pflanzen, bei denen wir sonst achtlos vorbeigegangen wären. Der kleine Malaie hat einen unglaublich großen Rucksack zu tragen, darin befindet sich ein Großteil der Verpflegung für 10 Leute und Kochgeschirr. Einen Teil der Lebensmittel müssen wir zwar selbst tragen, aber der Rucksack von Ajip ist immer noch sehr voluminös und schwer.

Die Stimmung kippt

Dann erzählte er mir, dass er am Morgen erfahren hat, kurz bevor wir aufgebrochen sind, dass sein Chef ihm das Gehalt gekürzt hat, einfach so. Die Auftragslage ist schlecht, so die knappe Argumentation. Einen wirksamen Arbeitnehmerschutz gibt es in Malaysien nicht und wenn er seinen Job behalten will, muss er die Gehaltsreduktion hinnehmen. Langsam dämmert ihm, was das heißt und seine Motivation sinkt merklich mit jedem weiteren Schritt.

Dann sagt er, er kann dadurch nicht das ganze angebotene Programm durchführen, die Nachtwanderung fällt aus. Wenn wir uns beschweren wollen, sollen wir uns an den Chef wenden. Ratlosigkeit macht sich breit, was tun. Einerseits kann ich den Mann gut verstehen, andererseits habe ich eine Tour gebucht und möchte die gebuchte Leistung auch bekommen. Schließlich komme ich nicht so oft in einen uralten Regenwald. Gemeinsam versuchen wir ihn mit gutem Zureden umzustimmen, aber der anfangs so freundliche, redselige Guide verstummt immer mehr, kapselt sich ab.

Kurze Verschnaufpause unter einem Baumriesen, Taman Negara Nationalpark
Kurze Verschnaufpause unter einem Baumriesen

Im Eilschritt durch den Dschungel

Der 8 km lange Marsch ist wegen der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit sehr schweißtreibend, das Tempo ist hoch, die Truppe ist gut in Form. Ajip entspannt sich wieder, alle 2 Kilometer macht er eine kurze Pause. Dabei erklärt er uns immer wieder die Bedeutung bestimmter Pflanzen, zeigt uns ein seltenes Insekt, dass wir selbst nie entdeckt hätten, zu gut sind viele Dschungelbewohner getarnt. Auch auf das Ausmaß der drastischen Umweltzerstörung geht er immer wieder ein. Der Naturliebhaber wirkt ratlos anhand soviel destruktiver Dummheit, die uralte natürliche Lebensräume unwiederbringlich zerstört.

Tarzan?

Spuren der Ureinwohner

Einmal passieren wir ein verlassenes Lager der Ureinwohner. Diese dürfen im Park leben, für ihren Eigenbedarf jagen und auch als einzige Bäume im Nationalpark fällen. Das tun sie allerdings sehr bedächtig, sie entnehmen dem Wald nur das, was sie wirklich brauchen, leben im Einklang mit der Natur. Sie bessern ihre Haushaltskasse ein wenig durch den Verkauf von Souvenirs an Touristen auf, in Kuala Tahan gibt es einige von ihnen betriebene Stände.

Unser Tourenveranstalter bietet auch geführte Touren durch die Dörfer im Taman Negara Nationalpark an, wo die Einheimischen sich für die Touristen herausputzen und man Blasrohrschießen lernen kann. Auch uns wird dieser Programmpunkt angeboten, wir lehnen geschlossen ab. Es hat irgendwie etwas dekadentes, die „Wilden“ beim Leben zu beobachten, nein Danke.

Elefanten und Schweißbienen

Elefantenspuren kreuzen immer wieder unseren Weg. Die Dickhäuter selbst bekommen wir allerdings nicht zu sehen. Es gibt auch einige Großkatzen im Dschungel, aber die scheuen Tiere lassen sich sehr selten blicken. Die größte Gefahr geht von den sogenannten Schweißbienen aus. Diese lästigen Insekten decken ihren Mineralstoffbedarf aus dem Schweiß anderer Lebewesen und die größte Schweißquelle im Dschungel sind momentan wir. Ajip erklärt uns, dass wir uns einfach ruhig verhalten sollen, dann wird nichts passieren. Wenn wir wild herumfuchteln, dabei schreien und auszucken, zuckt er auch aus, und dass sollen wir vermeiden.

Übernachtung in der Höhle

Vor Sonnenuntergang erreicht unsere stark verschwitzte Truppe die Höhle, die unser Nachtlager sein wird. Die Höhle hat beeindruckende Ausmaße, fast 20 Meter über uns wölbt sich das Höhlendach. Andere Gruppen sind bereits vor uns angekommen und haben schon Planen auf dem harten, welligen Höhlenboden ausgelegt. Auf eine dieser Planen breiten wir unsere Unterlagsmatten aus und entrollen unsere Schlafsäcke.

Höhle im Taman Negara Nationalpark
Nachtlager in der Höhle

Badezimmer im Dschungel

Wir holen die Lebensmittel aus unserem Rucksack und während Ajip das Abendessen zubereitet, gehe ich zu einem seichten schlammigen Bachlauf unweit der Höhle, dem Badezimmer unseres „Höhlenhotels“. Es wirkt nicht besonders einladend, aber ich war so stark verschwitzt, dass mir das egal war. Bis zu den Knöcheln versinke ich im Schlamm und wasche mir mit dem trüben Wasser den Schweiß vom Körper. Hoffentlich sind da nicht irgendwelche üblen Viecher im Wasser, denke ich. Bilder von Schlangen, Käfern, Blutegeln und sonstigem Getier tauchen vor meinem inneren Auge auf, Urängste werden wach. Diese sind aber unbegründet, diesmal zumindest.

Schlammloch im Taman Negara Nationalpark das uns als Badezimmer diente
Unser „Badezimmer“

Erfrischt und halbwegs gesäubert geht es zum Abendessen. Ich helfe Ajip noch bei der Zubereitung und schneide Zwiebeln und Karotten. Das Essen selbst ist köstlich, es besteht aus Reis, Hühnerfleisch aus der Dose und etwas Gemüse. Das Gemüse und das Dosenfleisch kommen in einen Riesenkochtopf. Ein zweiter Topf mit Reis dampft daneben. Unser Proviant schrumpft und Ajips Rucksack wird beim Rückweg um einiges leichter. Unglaublich mit welchen primitiven Mitteln unser Guide ein schmackhaftes Abendessen zubereitet hat. Mir schmeckt es wie in einem Haubenlokal, Hunger ist ja bekanntlich der beste Koch.

Nachtwanderung in Taman Negara

Nach dem Essen erkunde ich noch die Höhle und entdecke zwei riesige Kröten, die genervt davonspringen als ich näherkomme. Sogar ein paar Fledermäuse trotzen der menschlichen Anwesenheit, unmittelbar neben unserem Schlaflager hängen sie kopfüber an der Decke.

Dann die gute Nachricht: es gibt doch eine Nachtwanderung, Ajip zeigt uns den Weg. Unsere Taschenlampen erleuchten den dunklen, engen Dschungelpfad. Ajip deutet immer wieder auf Tiere, die wir selbst nie gesehen hätten. Das Licht der Taschenlampen wird von den Augen der Dschungelbewohner reflektiert und es glitzern uns verdammt viele Augen entgegen, gut dass wir in der geschützten Höhle übernachten.

Wir sehen kurios aussehende Spinnen, riesige Insekten die sich als Äste tarnen, Glühwürmchen, Raupen, Käfer und nach etlichen Versuchen mit Schwarzlicht auch endlich einen großen Skorpion, der aber bald das Weite sucht. Erst jetzt kann ich sehen, wie belebt der uns umgebende Wald eigentlich ist, tagsüber kriegst du das überhaupt nicht mit.

Spinnen …
… und Frösche im nächtlichen Urwald

Eine halbe Stunde später sind wir wieder in unserer Höhle und machen uns für die Nacht bereit. Es wird übrigens eine lange Nacht werden, der Höhlenboden ist nicht gerade bequem. Nur eine dünne Plane und eine wenige Millimeter dünne Unterlagsmatte schützen uns vor dem harten, unebenen Boden. Lange auf einer Seite liegen ist nicht möglich, gefühlte tausendmal wälze ich mich diese Nacht unruhig umher und stehe morgens wie gerädert auf. An den verhärmten Gesichtern meiner Mitstreiter ist zu erkennen, dass es ihnen ähnlich ergangen ist. Aber ja, harte Unterlagen sollen ja gesund für die Haltung sein, schwer zu glauben so verkrümmt wie ich momentan daherkomme. Es wird ein paar intensive Yogastunden brauchen, um das wieder hinzukriegen.

Das Sonnenlicht bricht sich atemberaubend im Morgennebel und unsere Höhle scheint im matten Dunst wie verzaubert.

Morgenstimmung in der Dschungelhöhle im Taman Negara Nationalpark
Morgenstimmung in der Höhle

Ein gläubiger Mann

Ajip ist ein gläubiger, gottesfürchtiger Mann. Er hat seinen Gebetsteppich ausgerollt und sich gegen Mekka verneigt. Danach kommt er auf uns zu und entschuldigt sich für seine ruppige Art von gestern. Im Gebet sei ihm wieder klar geworden, wie dankbar er sein kann, für sein Leben und für seinen, obwohl schlechter bezahlten, Arbeitsplatz. Einerseits bin ich froh, dass er das volle Programm mit uns durchgezogen hat, andererseits bin ich entsetzt, wie leicht sich der gutmütige Mann durch seinen Glauben ruhigstellen lässt, hinnimmt was er scheinbar nicht ändern kann.

Aber so ist es überall auf der Welt, mit dem Glauben kann man ganze Völker ruhigstellen, mit der Verlockung auf das ewige Paradies im Jenseits, mit 40 Jungfrauen oder weiß Gott was noch alles versprochen wird. Nach dem Tod wie gesagt, weil im Leben muss gelitten werden. Es wird sowieso alles gut.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn um seinen Glauben beneiden oder ob ich ihn wachrütteln soll. „He Mann, du hast dein Leben selbst in der Hand, lehn dich auf.“ Aber aus meiner Perspektive kann ich leicht reden, als „reicher“ Westler, der es sich leisten kann, ein Jahr durch die Welt zu reisen. Ich bin ein wenig wütend und ratlos, kann ihm aber nicht helfen und lasse es gut sein. Wer bin ich schon, um ihm einen Rat zu geben? Ich bin morgen schon wieder etliche Kilometer weiter, lasse das alles hinter mir, genieße meine Reise.

Das sind die Momente, in denen ich dankbar dafür bin, was ich für unglaubliches Glück hatte, in einem reichen Land geboren zu sein. Dankbar für soziale Absicherung, dankbar für Arbeitnehmerschutz, ein kostenloses Bildungssystem, dankbar dafür reisen zu können.

Beseitigung der Spuren

Nach dem Frühstück brauchen wir eine gute Stunde, um unsere Spuren der letzten Nacht zu beseitigen. Die Höhle wird genau untersucht, es darf nichts zurückbleiben, was die Umwelt verschmutzen könnte und Strafgebühren wollen wir auch keine zahlen.

Tödlicher Spaß

Bevor wir aufbrechen, erzählt uns Ajip noch eine schockierende Geschichte, die seinem Kollegen widerfahren ist. Der Guide ist im Fluss ertrunken, als ihm die Teilnehmer seiner Gruppe aus einer Laune heraus ins Wasser geworfen haben, sie dachten es sei lustig. Er hat noch um Hilfe geschrien, mit dem Armen gefuchtelt, um sein Leben gestrampelt. Die Leute im Boot haben gelacht, dachten es sei Spaß. Es war kein Spaß, der Mann konnte nicht schwimmen und ist im Fluss ertrunken. Als sie ihn aus dem Wasser gezogen haben, kam jede Hilfe zu spät. Ajip bat uns deshalb ihn nicht ins Wasser zu werfen. Wir wären zwar nicht auf diese Idee gekommen, versichern ihm aber, dass wir das auf keinen Fall tun werden.

Am Rückweg

Im flotten Tempo geht es wieder retour, diesmal nehmen wir einen anderen Weg und sehen wieder viele Urwaldbaumriesen, seltene kleinere Pflanzen und (kleine) Tiere. Wir entdecken Elefantenspuren auf unserem Weg. Im Taman Negara gibt es eine eigene Elefantenart, die allerdings extrem scheu ist. Nur selten hat man das Glück, die großen Urwaldtiere aus nächster Nähe zu beobachten.

Ein Ureinwohner begleitet uns

Ein Ureinwohner stößt zu unserer Truppe und begleitet uns. Er hat gerade nichts anderes zu tun und setzt sich einfach zu uns. Er sieht so anders aus, als ich mir einen Ureinwohner vorgestellt habe. Blaues T-Shirt, Jeanshose, Flip-Flops. Okay am Gürtel hat er ein ziemlich langes Messer getragen. Einzig sein Aussehen unterscheidet ihn von uns, die Hauptfarbe ist um einiges dunkler, die Physiognomie erinnert an einen Afrikaner. Auf die, zugegebenermaßen blöde Frage, ob er nicht auch manchmal Lust verspürt den Wald zu verlassen und in einer Stadt zu wohnen, antwortet er knapp, aber bestimmt. Er sei doch nicht verrückt, sich den Wahnsinn unseres Lebenswandels anzutun, nein, da bleibt er lieber bei seinen Leuten.

Ekel überwinden

Auf unserer letzten Rast lassen wir es uns nicht nehmen in den nahegelegenen Bach zu springen. Es ist einfach unbeschreiblich, wir sind mitten im ältesten Regenwald der Welt und baden im seichten, lauwarmen Wasser eines Tropenbaches. Das Leben kann so herrlich sein.

Auf einmal bemerkt Ajip eine Bewegung im Dschungel. Er springt auf und kommt eine Minute später mit einem 20 cm langen Tausendfüßler zurück. Er lächelt uns an und fragt, ob er uns das Tier auf den Oberarm setzen darf. Der Überlebensinstinkt und der Ekelfaktor sagen: „Nein, bloß weg mit dem Ding“. Aber nachdem er keine Angst zeigt, lasse ich mich überreden. Ein witziges Gefühl, wenn dieses mächtige Insekt deine Haut mit seinen unzähligen Beinen massiert. Nachdem das arme Tier die Runde gemacht hat, lassen wir es wieder frei.

Tausenfüssler im Taman Negara Nationalpark krabbelt über den Arm des Authors
riesiger Tausendfüssler

Das Mittagessen wird wieder in altbekannter Manier von Ajip zubereitet, diesmal mit Instantnudeln anstatt Reis. Ich merke, dass mein Rucksack seit letzter Nacht um einiges leichter geworden ist. Richtig leicht ist er aber immer noch nicht, schließlich ist neben meiner Kameraausrüstung noch der Schlafsack, die Unterlagsmatte sowie das Essgeschirr verstaut.

Das nächste Mal sieben Tage?

Wieder zurück in Kuala Tahan erfahre ich, dass es auch eine sieben Tages Trekkingtour durch den Taman Negara Nationalpark gibt und die Leute auf dieser Tour mit einem 25 kg schweren Rucksack in den Dschungel aufbrechen. Dagegen war ja mein Ausflug ein wahrer Kinderspaziergang.

Am Landungssteg angekommen, haben wir noch Zeit, wir müssen auf unser Boot warten. Wir nutzen die Zeit, um diesmal im tiefen Wasser des Flusses zu schwimmen. Wir überqueren ihn und legen uns auf eine Sandbank, lassen das Wasser auf unserer Haut von den warmen Sonnenstrahlen trocknen. Viel zu früh taucht unser Bootsführer auf, um uns abzuholen. Retour geht es über denselben Weg, diesmal allerdings über die Stromschnellen bergab. Eine halbe Stunde später sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour, in Kuala Tahan.

Taman Negara Nationalpark

Am Abend trifft sich unsere Truppe noch ein letztes Mal. Wir begießen unser Urwalderlebnis mit ein paar Bierchen. Wir fühlen uns nach gerade einer Nacht im Urwald wie richtige Expeditionsteilnehmer und genießen dankbar die Segnungen der Zivilisation: eine heiße Dusche, ein weiches Bett, Pizza und Bier. Die meisten fahren am nächsten Morgen weiter auf die Perhentians. Ich selbst bleibe noch eine Nacht, genieße den nächsten Tag beim Baden im Fluss und beschließe dann ebenfalls auf die Perhentians zu fahren. Es ist Zeit wieder einmal tauchen zu gehen.

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Taman Negara – Trekking im 160 Millionen Jahre alten Regenwald
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Martin Wieser

der Niederösterreicher hat mit 49 Jahren seinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. Er beschreibt und bebildert seine Erlebnisse auf dieser Seite und will vor allem eines: deine Reiselust wecken.

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