Pulau Tioman gilt noch als Geheimtipp unter den Inseln vor der malaysischen Ostküste. Bei Recherchen im Netz bin ich auf diese eher unbekannte Insel gestoßen und neugierig geworden. Es gibt dort keine großen Ressorts, der Urlauberansturm hält sich in Grenzen und Bilder von Traumstränden scheinen dich förmlich anzubetteln: Komm und tauche ein in meine Fluten und entspanne dich. Um Tioman findest du schöne Tauchreviere mit einer großen Korallenvielfalt und unzähligen Fischarten. Also nichts wie hin.

Es gibt sogar einen Flughafen auf der Insel. Der von den Betreibern erhoffte Ansturm blieb aber aus und er ist seit ein paar Jahren nicht mehr in Betrieb. Tragisch für die Betreiber, gut für die Ruhesuchenden auf der Insel.

Frank Kafka lässt grüßen

Im Netz finde ich den Link mit dem Fahrplan für die Fähre (siehe den Link in der Anfahrtsbeschreibung weiter unten im Text) von Mersing nach Tioman. Die Prozedur wie du ein Ticket für die Überfahrt nach Mersing bekommst, habe ich ebenfalls weiter unten beschrieben. Das Ganze erinnerte mich an einen kafkaesken Bürokratenmarathon und dürfte so etwas wie ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Leute aus der Stadt sein.

Anlegestelle in Juara Bay
Anlegestelle in Juara Bay

Die Überfahrt dauert 2 Stunden, 2 bitterkalte Stunden. Es ist verrückt, draußen hat es tropische Temperaturen und in der geschlossenen Fähre kühlen sie dich auf Polarkreistemperatur runter. Unbedingt was Warmes zum anziehen mitnehmen und rechtzeitig vor dem Aussteigen wieder ablegen – draußen ist es nämlich tropisch heiß.

Zollfreizone Tioman

Jay, der Besitzer vom Permai Beach Resort hat mich im Vorfeld über WhatsApp kontaktiert und wartet schon an der Anlegestelle in Tekek mit seinem geländegängigen Pickup Truck auf mich. Bevor wir nach Juara aufbrechen, bleiben wir noch stehen, um Bier zu kaufen. Tioman ist genauso wie Langkawi zollfreies Gebiet und du kannst günstig alkoholische Getränke kaufen.

Welcome to Juara Bay

Danach geht es über die schmale, sehr steile und über 7 Kilometer lange Betonpiste auf die andere Seite der Insel, nach Juara Beach. Der Dschungel wölbt sich wie ein Tunneldach über der Straße und Jay zeigt mir den Einstieg zu einem Trekkingpfad und den Weg zu einem Wasserfall. Ist für weitere Aktivitäten vorgemerkt. Der erste Eindruck ist schon einmal vielversprechend und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Juara ist ein sehr beschaulicher, kleiner Ort, aber alles was du brauchst ist vorhanden: Restaurants, ein paar kleinere Hotels, Minimärkte und ein paar Tauchschulen.

idyllische Strandlokale

Flughunde und Sandfliegen

Flughunde hängen in den Bäumen und kreischen, versuchen das Getöse der Brandungswellen zu übertönen. Die Tiere sind echt beeindruckend, aktiv sind sie allerdings nur in der Nacht. Wenn du Glück hast kannst du beobachten wie eines dieser großen Tiere durch die Luft schwebt, sich an einem Baumstamm festhält und geschickt in Sekundenschnelle die Baumkrone hochklettert.

Von der Terrasse meines Quartiers blicke ich direkt auf den wunderschönen Strand. Fast wie im Paradies. Der einzige Wehrmutstropfen sind die überall lauernden, lästigen Sandfliegen. Es heißt unbedingt Mückenspray auftragen, die Blutsauger hinterlassen sonst böse juckende Stiche.

Tauchen auf Tioman

In der Nähe meines Quartiers gibt es die von Einheimischen geführte Tauchschule Tiong Man Scuba Dive.

Der Preis ist schnell verhandelt, ab 4 Tauchgängen zahle ich 100 RM pro Tauchgang inkl. Ausrüstung und am nächsten Morgen kann es schon losgehen. Ich bin schon ein wenig nervös, mein erster Tauchgang seit ich auf Koh Tao meinen Tauchschein absolviert habe.

Die Fahrt zur Anlegestelle des Tauchbootes ist ein kleines Erlebnis für sich. Die Tauchausrüstung wird in einem selbst geschweißten Beiwagenkonstrukt verstaut. Mein Tauchguide und ich quetschen uns dazu und mein Buddy, ein angehender einheimischer Tauchlehrer, fährt das Motorrad. Während der kurzen Fahrt singen beide eingängige Reggaehits. Bob Marley lässt grüßen – relaxter kann tauchen nicht sein.

Improvisation ist die halbe Miete

Als wir am Kai ankommen, wird der Motor des Bootes gerade repariert. Das Ding will einfach nicht anspringen. Nach einigen Versuchen werden die Zündkerzen ausgetauscht. Der Motor stottert erwartungsvoll und nach ein paar Startversuchen läuft er wieder. Es wird überhaupt viel improvisiert auf der Insel. Viele Maschinen werden durch Tapes und Kabelbinder zusammengehalten, aber irgendwie funktioniert schlussendlich alles. Es kommt nie irgendeine Anmutung von Stress oder Unmut auf. Relax, entspann dich, wir kriegen das schon hin – die Good Vibes bestimmen den Tagesablauf.

Vielfältige Unterwasserwelt

Ich habe jetzt noch nicht viel Taucherfahrung, da ich erst vor wenigen Wochen meinen Tauchschein auf Koh Tao gemacht habe, aber die Unterschiede zwischen den Tauchgebieten fallen sofort auf. Man sieht weniger große Fische, das Wasser ist nicht so klar und die Sicht dadurch nicht so gut. Dafür sieht man hier unglaublich viele verschiedene Korallen die in allen Farben leuchten.

Bei meinen Tauchgängen entdecke ich Kugelfische, Barrakudas und die größten Krabben, die mir je untergekommen sind. Ich hab mich fast erschrocken, als mein Tauchguide in die dunkle Felsspalte geleuchtet hat und diese Riesendinger zum Vorschein kamen. Ich dachte zuerst das Alien aus Ridley Scotts Filmen steht mir leibhaftig gegenüber. Die hatten sicher einen Meter Durchmesser.

Zurück am Strand brauche ich mich um nichts zu kümmern, die Jungs reinigen die Ausrüstung und bereiten alles für den nächsten Tauchgang vor. Am nächsten Tag lasse ich mir wieder die Flasche umschnallen und muss nur noch selbst ins Meer springen. Ich bin mir sicher wenn ich gefragt hätte, hätten sie mich auch rein geschmissen.

Wege kreuzen sich

Zum Abendessen treffe ich mich mit Sandy und Fabian, einem jungen deutschen Paar das ich bereits in Langkawi auf der Mangroventour mit Peter Höfinger kennenlernte. Wir haben unsere Social Media Daten ausgetauscht und bemerken dadurch, dass wir zufälligerweise zur selben Zeit auf der Insel sind, noch dazu am selben Strand. Die beiden sind so wie ich längere Zeit unterwegs und da gibt es viel zu erzählen. Wir tauschen unsere Reiseerfahrungen aus und genießen nach dem Abendessen das billige Bier aus dem Duty Free Shop – Good Vibes wieder einmal.

Ich überlege mir ein Motorrad auszuborgen, entscheide mich jedoch dagegen. Die Motorradmiete auf Tioman ist erheblich höher als auf dem Festland. 70 Ringit pro Tag sind hier schon ein Schnäppchen. Meist werden an die 90 Ringit verlangt. Der Strand in Juara und die nahegelegenen Wanderwege und Wasserfälle haben für die wenigen Tage meines Aufenthalts genug zu bieten, dazu muss ich nicht motorisiert sein.

Oase der Entspannung

Die Insel ist eine richtige Oase zum Entspannen. Du kannst hier schnorcheln, tauchen, surfen oder kleine Wanderungen unternehmen.

Es gibt auf der Westseite einige Strände, wo du gut tauchen kannst. Ich habe mich ausschließlich in Juara Beach aufgehalten, da es der schönste Strand der Insel sein soll.

Nach ein paar entspannten Tagen heißt es Abschied nehmen vom Paradies. Jay führt mich mit seinem Pickup wieder zur Fähranlegestelle. Er dreht das Radio auf und ich erwarte Bob Marley oder Peter Tosh zu hören, stattdessen dröhnt aber eine andere Band aus den 80ern aus den Boxen. Die Scorpions trällern „Let me take you far away, you´d like a holiday“ – auch irgendwie gute Vibes.

Mit der Hymne im Ohr freue ich mich schon auf mein nächstes Ziel: den uralten Regenwald des Taman Nagara Nationalparks.

Anbei meine 7 Tipps für deinen Inselaufenthalt:

Wanderung zu Ali´s Waterfal

Von Juara Beach geht’s du die Zufahrtsstraße etwa 1 Kilometer Richtung Tekek. Wenn du auf der rechten Seite ein verfallenes, ebenerdiges Gebäude siehst, bist du fast da. Kurz danach siehst du das Schild mit der Aufschrift „Ali’s Waterfal“, dort musst du nur mehr ein paar Meter einem engen Dschungelpfad folgen.

Ali´s Wasserfall
Ali´s Wasserfall

Vorsicht wenn es geregnet hat, kann der Weg sehr rutschig sein. Der Wasserfall ist unspektakulär, aber schön. Das Bad im kühlen Wasser entschädigt für die Strapazen des Aufstiegs. Falls du ein leichtes Zupfen an den Beinen spürst, keine Sorge, das sind nur kleine bunte Fische, die Gusto auf deine Hautschuppen haben. In Bangkok musst du für eine sogenannte „fishmassage“ Geld zahlen. Hier bekommst du deine Füße kostenlos massiert und gereinigt.

Asah Wasserfall:

Es gibt noch einen zweiten Wasserfall, der vom Südende von Juara Beach aus angesteuert werden kann. Dort überquerst du auf einer Brücke einen kleinen Fluss und folgst der Forststraße bis zum Wasserfall. Durch soeben stattfindende Bauarbeiten ist die Straße sehr breit ausgefahren. Vorsicht der Stein mit der Markierung ist leicht zu übersehen. Durch einen etwas unwegsamen Pfad kommst du nach ein paar Metern zum Wasserfall und kannst dich dort abkühlen.

Asah Wasserfall
Asah Wasserfall

Inselüberquerung

Du kannst auch über die Straßen und einen Dschungelpfad Tioman zu Fuß überqueren. Dazu geht es an Ali´s Wasserfall noch ungefähr einen Kilometer die Straße bergauf, danach biegst du auf einen Dschungelpfad nach rechts in den Wald und kommst bei Tekek an den Endpunkt der Wanderung. Hin und zurück sind das 14 Kilometer, teilweise geht es steil bergauf, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze fordern ihren Tribut.

Deshalb unbedingt genug Wasser mitnehmen, es gibt keine Verpflegungsmöglichkeit auf der Strecke. Ich nutze zur Orientierung die kostenlose App Mapy.cz. Es gibt kostenloses Kartenmaterial von der ganzen Welt und viele Wanderwege sind bereits eingezeichnet. Das Kartenmaterial steht auch für eine Offlinenavigation zur Verfügung.

Essen in Juara Beach

Das Essensangebot in Juara Beach ist nicht so umfangreich wie am Festland und auch ein wenig teurer. Für uns aber immer noch preiswert und gut. Am besten fand ich das Bushmans Restaurant am Südende des Strandes. Die Zimmer sollen ebenfalls sehr schön sein, sind aber meistens ausgebucht. Also gegebenenfalls ein paar Tage vorher reservieren. Auch das Mia Kaffee etwas weiter südlich hat sehr gute Küche.

Juara Turtle Project

Die von Freiwilligen betriebene Station bemüht sich um die Instandhaltung der intakten Umwelt der Insel. Es gibt regelmäßig Müllsammelaktionen und ein Korallenrestaurierungsprogramm, bei denen auch die Einheimischen eingebunden werden. Schildkröten gibt es hier natürlich auch. Bei Interesse einfach hingehen und mit den Leuten reden.

Tauchschule

Ich habe ein paar Tauchgänge in der Tiong Man Scuba Dive  gemacht und war sehr zufrieden. Es war sehr wenig los und ich bekam mehrere Private Dives mit dem Tauchguide. Die Leute sind extrem freundlich und Hilfsbereit und der Preis war sehr günstig. Ab 4 Tauchgängen zahlst du 21,-/Tauchgang.

Dive Center mit Chilligen Vibes 🙂

Strandidylle auf Tioman

Unterkunft in Juara Beach

Meine Unterkunft das Permai Beach Resort 

hat einige kleine Strandhütten mit fantastischer Aussicht auf die Bucht. Der Besitzer Jay ist außerdem sehr nett und hilfsbereit. Er bietet um 70 MYR einen Transfer von Tekek an. Das Wifi im Resort ist allerdings schwach. Für eine halbwegs gute Internetverbindung musst du zur Rezeption oder in ein Strandcafé gehen. Auch das Bushmans ist eine hervorragende Unterkunft. Weitere Unterkünfte findest du hier:

Anreise nach Tioman

Von Kuala Lumpur oder Singapur fahren täglich mehrere Busse nach Mersing. Dort befindet sich die Fährstation nach Pulau Tioman. Ich habe mein Ticket über 12Go Asia gebucht. Den genauen Fahrplan kannst du hier nachsehen.

Tioman

Es gibt vor Ort einige Reisebüros. Meist wirst du schon beim Aussteigen aus dem Bus angesprochen und kannst einen Ticketgutschein kaufen. Wo du die Tickets kaufst ist egal, der Preis ist überall gleich. Hin- und Rückfahrticket kosten 70 Ringit. Wenn du noch nicht weißt, wann du zurück fährst, bekommst du ein Blanko-Rückfahrticket. Wenn du das Ticket gleich beim Busbahnhof kaufst, bekommst du einen Plan zur Orientierung, denn du musst 750 m die Straße entlang bis zum Mersing Harbour Center gehen. Es ist auch ohne Plan nicht schwer zu finden.

Schaltermarathon

Dort wird es interessant. In dem Gebäude gibt es 3 Schalter, beim ersten meldest du dich an, beim zweiten kriegst du eine Art Zwischenticket und wirst zum dritten Schalter geschickt, wo du die Steuer von 30 Ringit zahlen darfst. Danach musst du über die Straße zur Jetty gehen, wo du eine halbe Stunde bevor die Fähre ablegt, das eigentliche Ticket bekommst. Soweit so kompliziert. Wenn du nach Juara Beach möchtest musst du an der Station Tekek aussteigen und von dort ein Taxi nehmen. Gib einfach dem Fährpersonal Bescheid, wohin du willst.

Juara liegt auf der anderen Seite von Tioman. Die meisten Hotels bieten einen kostenpflichtigen Abholservice, der günstiger ist als die Taxis am Steg. Du musst mit ungefähr 50 Ringit rechnen.

Es gibt auch einen Flughafen auf der Insel, der ist aber seit geraumer Zeit nicht mehr in Betrieb.

Mein Fazit zu Pulau Tioman

Die Insel ist unbedingt einen mehrtägigen Abstecher wert. Sowohl Taucher, als auch Wanderer, Erholungssuchende und Strandliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Die guten Vibes gibt es kostenlos dazu.

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Tioman der Geheimtipp – GoodVibes im Tropenparadies
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Martin Wieser

der Niederösterreicher hat mit 49 Jahren seinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. Er beschreibt und bebildert seine Erlebnisse auf dieser Seite und will vor allem eines: deine Reiselust wecken.

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