Ist die Tatacoa einen Besuch wert? Wir erkunden die rote Wüste mit wunderschönen Felsformationen, ihre graue Schwesterwüste und probieren süße Kakteenchilis. Du kannst sogar in der Wüste baden und Pferdefreunde kommen auch auf ihre Kosten.

Von den bequemen Sitzen unseres luxuriös ausgestatteten Busses beobachten wir, wie sich die Landschaft und das Klima langsam ändern. In Bogota ist es kalt und regnerisch, aber je weiter wir Richtung Süden fahren, desto wärmer wird es. Die anfangs als unangenehm kalt empfundene Klimaanlage entpuppt sich bald als Segen. Wir sind auf dem Weg in die Tatacoa Wüste, und in Wüsten ist es fast immer heiß.

Mit dem Sammeltaxi in die Tatacoa Wüste

In Neiva verlassen wir unseren Bus und suchen im Gewusel der Busstation eine Mitfahrgelegenheit nach Villavieja, den Ausgangspunkt für Ausflüge in die Tatacoa Wüste. Meine Sprachkenntnisse sind leider noch etwas holprig, aber es funktioniert. Ein kleiner Mann mit Strohhut nimmt mich bei der Hand und deutet mir vor dem Ausgangsbereich zu warten. Dann passiert erst mal länger nichts. Doris geht Kaffee holen und auf plötzlich soll es los gehen. Typisch. Wo ist jetzt Doris? Der Mann mit Strohhut begibt sich auf die Suche. Ein paar Minuten später kommt er mit ihr im Schlepptau zurück. Die heißen Becher vorsichtig balancierend, quetschen wir uns auf den Rücksitz des Collectivos. Wir haben Glück und müssen nicht auf den harten Bänken der Pritsche sitzen. Der etwas ältere Pick Up Truck hat seine besten Zeiten bereits lange hinter sich. Aber er fährt noch, das muss reichen. Langsam tuckern wir aus der Stadt.

Tatacoa Wüste

Die Landschaft ist anders als bisher, Kakteen prägen das Bild. Ein paar Ziegen streunen umher, auf der Suche nach ein paar vertrockneten Grashalmen. Einmal überquert unser Taxi einen kleinen Bach. An dessen Ufer findet gerade eine Art Volksfest statt. Die Leute grillen am Ufer, chillen im Schatten hoher Bäume der Ufervegetation oder plantschen im angenehm kühlen Wasser.

Villavieja

Nach 2 Stunden erreichen wir Villavieja. Das verschlafene Dorf, am Rio Magdalena gelegen, ist unser Basislager für den Wüstentrip. Du kannst dich Ausflüge von Villavieja aus unternehmen oder ins außerhalb des Ortes gelegene Observatorium weiterfahren. Zweite Option hat den Vorteil, dass du gleich mitten in der Tatacoa Wüste wohnst. Du kannst hier bei guten Bedingungen den Sternenhimmel beobachten und gleich früh morgens, bevor es zu heiß ist, die Gegend erkunden.

Tatacoa Desierto Rojo

Da wir gerade in der Regenzeit unterwegs sind, ist sternenklarer Himmel keine Selbstverständlichkeit, eher ein Glücksfall, und die Quartiere in der Tatacoa Wüste sind recht einfach. Unser Komfortbedürfnis hat die Oberhand behalten. Nix wird es mit Sterne schauen. Wir nächtigen in Villavieja, in dem familiengeführten kleinen Hotel Colonial.

Abends gehen wir an den Rio Magdalena, genießen die Aussicht auf den Fluss und die in weiter Ferne lockende Berglandschaft. Dann schlendern wir langsam durch die überschaubare Stadt. Manche Straßen gleichen eher Schutthalden, aber der zunehmende Tourismus verändert das Dorf allmählich. Am Hauptplatz gibt es eine kitschig anmutende Statue eines Riesenfaultiers, eine ausgestorbene Spezies der ehemaligen Riesenfauna des Kontinents.

Riesenfaultier in Villavieja

Nachtleben im Dorf

Die Lokale sind richtig voll, es wird Bier getrunken und Grillspezialitäten werden verzehrt. Das Dorfleben fasziniert uns. Die Hauptdurchzugsstraßen sind asphaltiert und es gibt jede Menge Hotels und Restaurants in allen Preislagen. Durch ein Fenster beobachten wir Männer jeden Alters beim Billardspiel, Frauen sind hier keine zu sehen. It´s a mens world.

Billardspieler in Villavieja
Billardspielen ist Männersache

Wir bemerken einen Tumult. Menschen stehen vor einer Halle bis auf die Straße, von innen kommen Geräusche wie aus einer Glücksspielshow im Fernsehen. Und wirklich, eine Art Bingo ist gerade im Gange und an die 200 Leute versuchen ihr Glück.

Marlboro Frau in Villavieja
Marlboro Frau

Reiter galoppieren an uns vorüber. Die winzig anmutenden Pferde werden gerne für Ausflüge in die Tatacoa Wüste gebucht. Der plakative Ausritt durch die Stadt dient einer Werbeaktion. Die Botschaft: Schon morgen könntest du die Freiheit auf dem Rücken dieser eleganten Tiere genießen. Erkunde die Schönheit der Tatacoa Wüste, spüre den Wind in den Haaren und höre den Sand unter den Hufen knirschen. Dazu musst du dir als Hintergrundmusik einen Willie Nelson Hit vorstellen, und schon bist du dabei. Eine Zigarette im Mundwinkel würde das Ganze noch cooler erscheinen lassen. Marlboro Mann bzw. Frau lässt grüßen.

Die Lokalauswahl ist für diesen kleinen Ort ungewöhnlich groß und wir entscheiden uns für ein Fischlokal. Dort genießen wir eine herrliche Ceviche bevor wir, todmüde von der langen Anfahrt, in unseren gemütlichen Betten versinken.

Desierto Roja – die rote Wüste

Am nächsten Morgen geht es mit einem, vom Hotel organisiertem Taxi, zuerst in die Desierto Roja, die rote Wüste. Du kannst rein nur den Transport buchen oder aber den Taxifahrer als Führer in Anspruch nehmen. Wir entscheiden uns für eine Führung und sollten es nicht bereuen. Unser Guide zeigt uns unter anderem eine spezielle Kaktusart, er bezeichnet sie „Kürbiskaktus“, aus deren pelzigen Oberseite ein violetter Stil herausragt. Daran gezupft, kommt eine Pfefferoni förmige Frucht zum Vorschein, die süß ist und sehr gut schmeckt. Und es gibt jede Menge Kakteen mit Früchten. Erntezeit!

Im Sand sind uralte Überreste verborgen. Immer wieder stoßen wir auf Fossilien. Ohne unseren Guide wären wir achtlos daran vorbei oder darüber gestapft, hätten sie nie entdeckt. Überreste von Vögeln und kleinen Reptilien sind zu bewundern.

Die Tatacoa ist klein, hat aber ihren eigenen Reiz. Beeindruckende rot schimmernde Gesteinsformationen prägen das Bild der Desierto Roja. Mittelgroße Canyons, ausgetrocknete Bachbeete, noch feucht von den Niederschlägen der letzten Tage, dazwischen beeindruckende Felsnadeln. Greifvögel beobachten uns argwöhnisch, eine verirrte Ziege kreuzt unseren Weg, Vögel zwitschern. Und wir mittendrin, wie in einem Szenario aus einem alten Wildwestfilm. Fehlt nur noch, dass John Wayne ums Eck geritten kommt und uns ein joviales Howdy zuruft.

Mit fortschreitender Stunde wird es richtig heiß. Wir laben uns an einer der Raststätten an der Straße, bevor es weiter in die Desierto Gris, die graue Wüste geht.

Desierto Gris – die graue Wüste

Die Desierto Gris ist ähnlich beschaffen wie die Desierto Roja, nur halt grau, statt rot. Auch hier prägen kleine Canyons das Landschaftsbild. Hoodoos, kleine Felsnadeln, die durch Erosion entstanden sind, stechen in den Himmel. Die Variante in Rot gefällt uns trotzdem eindeutig besser.

Desierto Gris

Am Ende des kurzen Rundganges gibt es noch die Möglichkeit, gegen eine Eintrittsgebühr, in ein Schwimmbad zu gehen. Ich nutze die Gelegenheit, mich in einem Becken zu erfrischen. Selten lasse ich das Angebot aus, um ins Wasser zu springen. Ich genieße die willkommene Abkühlung.

Dann geht es auch schon wieder zurück. Die beiden Wüsten sind von der Größe her überschaubar und schnell besichtigt.

Fazit

Wenn du gerade in der Nähe oder auf der Durchreise bist, unbedingt einen Zwischenstopp einlegen und Wüstenluft schnuppern.

Tipps für deinen Aufenthalt in der Tatacoa Wüste:

Unterkünfte in Villavieja

Unser Hotel: das Hotel Colonial ist ein günstiges Hotel mit einer netten Patio und gutem Frühstück. Der Hausherr organisiert auf Wunsch auch Wüstentrips.

weitere Unterkünfte für deinen Tatacoatrip

Anreise von Bogota mit dem Bus

Die Anreise von Bogota nach Neiva dauert ungefähr 6 Stunden und kostet im Luxusbus COP 57.000,– .

Von dort geht es weiter mit einem Sammeltaxi nach Villavieja. Kosten ungefähr COP 8.000,– .

Anreise von Bogota mit dem Flugzeug

Wenn es schneller gehen soll. Täglich gehen Flüge von Bogota nach Neiva. Von dort dann mit dem Taxi oder Sammeltaxi weiter nach Villavieja.

Wüstentour

Tour mit dem Motorradtaxi in die Wüste Desierto gris und roja kostet geführt 140.000,– und dauert 5 Stunden Tour. Du kannst aber auch nur den Transport buchen, dann wird es billiger. In Villavieja gibt es auch ein paar Reisebüros die verschiedene Aktivitäten in der Gegend anbieten z. B. Ausritte und Wüstentrekkings.

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Tatacoa Wüste – Farbenspiele in rot und grau
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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