Eigentlich war Udaipur gar nicht auf meinem Plan gestanden. Und es lag auch schon gar nicht auf der logischen Route. Nein ich musste sogar von Jaipur wieder zurück in den Westen Rajastans fahren. Von Jodhpur aus wäre das viel näher gelegen. Aber so ist es halt, wenn man nicht alles im Vorhinein plant. Da heißt es flexibel sein. Schon in Jodhpur habe ich von meinem Zimmervermieter gehört, dass ich unbedingt noch nach Udaipur und Jaisalmer fahren muss. Da hatte ich das Ticket und das Zimmer nach Jaipur schon gebucht und konnte nicht mehr stornieren.

Logischer wäre es gewesen, von Mumbai erst nach Udaipur, Jodhpur, Jaisalmer und dann Jaipur zu fahren. Aber was soll´s. Im Nachtzug sparte ich außerdem immer auch eine Hotelübernachtung, die Entfernungen waren gering, die Ticketpreise niedrig und die Zugfahrten bisher recht angenehm. Das sollte sich aber bald ändern. Aber dazu noch später.

Mewari Villa Hotel

So stieg ich wieder mal frühmorgens aus dem Zug und begab mich in mein Hotel, das Mewari Villa. Dieses ruhiggelegene Hotel, bekommt eine klare Empfehlung von mir. Ein paar Gehminuten außerhalb des hektischen Zentrums gelegen, bot die Dachterasse des Hotels zusätzlich zum vorzüglichen Frühstück, einen unglaublich schönen Blick auf den Pichhola See. Ich hatte nur leider kein Zimmer mit Seeblick mehr bekommen, der Ausblick dort ist wirklich sehenswert.

Aussicht vom Dach des Mewari Hotels auf den Pichhola See in Udaipur

Octopussy

Berühmtheit erlangte die Stadt auch durch die Dreharbeiten zum James Bond Film Octopussy. Der Film wird an manchen Orten der Stadt täglich aufgeführt. Das mitten im Pichhola gelegene Luxushotel, Taj Lake Palace, war in einigen Szenen zu sehen. Und wieder einmal wird es als eines der besten und teuersten Hotels der Welt beschrieben.

Taj Lake Palace
Taj Lake Palace

Der blanke Neid

Wenn ich mir meine aus Budget Gründen gewählten Zimmer so ansehe, frisst mich da manchmal der Neid. Teilweise sind da richtige Löcher dabei gewesen, da wollte ich schon nach 10 Minuten wieder raus. Aber auch das gehört zum Weltreisen und der Erfahrung dazu, mit geringem Budget unterwegs zu sein. Außerdem stärkt es angeblich die Persönlichkeit und den Charakter. So what?

Friseurbesuch

Bevor ich allerdings mit dem Besichtigungsprogramm startete, sagte der Blick in den Spiegel, dass es wieder einmal Zeit war, zum Friseur zu gehen. Das hatte ich schon seit geraumer Zeit vor, allerdings hatten mich hygienische Bedenken immer davon abgehalten. Bis jetzt sah ich noch keinen Friseursaloon der einen eigenen Wasseranschluss hatte und auch in Udaipur bin ich nicht fündig geworden.

Mittlerweile war ich, hygienische Standards betreffend, aufgrund meiner Erfahrungen ein bißchen weniger anspruchsvoll geworden. Ich wollte nicht nur einen Haarschnitt sondern auch gleich meinen Fünftagebart entfernen. So saß ich nun im Salon, mein Friseur hat sich noch schnell eine Packung Guthka* in den Mund geschoben, und schon konnte es losgehen. Ich ignorierte den schmutzigen Kamm, das fleckige Handtuch und den abgewetzten, mit gelblicher Patina überzogenen Sitz. Im schon etwas blinden Spiegel sah ich der Prozedur zu und war 20 Minuten später um 300 Rupies ärmer, dafür glattrasiert und mit adrettem Haarschnitt.

*Guthka – die Volksdroge Indiens

wenn man so durch Indien fährt sieht man vielerorts unansehnliche rotbraune Flecken auf der Straße oder an den Wänden. Diese kommen von einer Kautabak ähnlichen Droge namens Guthka. Guthka enthält neben Anteilen von Betelnuss, daher kommt die rote Farbe, etwas Tabak und jede Menge chemische Zusatzstoffe, die nebenbei noch krebserregend sind.

Die Zahl der an Mundkrebs erkrankten Menschen in Indien ist recht hoch, was vor allem auf den massiven Gebrauch von Guthka zurückzuführen ist. Durch den Genuss der Droge ist man angeblich konzentrierter und verspürt weniger Hungergefühl. Es kam auch öfter vor, dass mein Taxifahrer mitten unter der Fahrt, im dichtesten Verkehr, diesen rotbraunen Priem aus dem Fenster gespuckt hat.

Die indische Regierung wollte den Verkauf dieser Droge schon verbieten. Dieses Verbot ist aber von den Herstellern immer wieder, z. B. durch Abänderung der Rezeptur, umgangen worden. So kann man heute noch an fast jeder Straßenecke die billigen, kleinen, bunten Folienbeutel mit Guthka erstehen. Wie beliebt diese Droge ist, kann man erahnen, da man sehr oft, Leute, hauptsächlich aus der Unterschicht, mit rot verfärbten Zähnen sieht.

Gründung von Udaipur

Mit der Errichtung des Stadtpalastes 1567, wurde Udaipur als Hauptstadt des Reiches Mewar, von Maharana Udaih Singh gegründet. Die strategisch günstige Lage, umgeben von den schützenden Aravalli-Bergen und am Pichhola See wurde gewählt, da die alte Hauptstadt Chittorgarh nach verheerenden Auseinandersetzungen mit den Moguln aufgegeben werden musste. Von der ehemaligen Stadtmauer sind heute nur noch Überreste sowie 8 von 11 Stadttoren erhalten.

Durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem, das den Stausee Fateh Sagar und die Verbindungsseen Swaroop Sagar und Rang Sagar umfasst, wird der halbwegs konstante Wasserstandspegel des Pichhola Sees und damit die Wasserversorgung von Udaipur und der landwirtschaftlichen Betriebe der näheren Umgebung sichergestellt. Dieses ausgeklügelten System von Kanälen und Stauseen hat der Stadt den Beinamen, Venedig des Osten eingebracht. Man sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen, ein Restaurant auf einer der unzähligen Dachterrassen zu besuchen und über die idyllisch gelegene Stadt zu blicken.

Der Stadtpalast

Der Stadtpalast wurde, wie bereits erwähnt, 1567 durch Maharana Udaih Singh gegründet und in den folgenden 3 Jahrhunderten von seinen Nachfolgern weiter ausgebaut. Im Palast selbst sind die Entwicklung der einzelnen Ausbaustufen in einem wunderschönen Modell dargestellt.

Stadtpalast Udaipur
Stadtpalast Udaipur

Prächtige Innenräume und Höfe, fantastischen Aussichten über Udaipur und den See erwarten einen auf dem ca. 2 ½ stündigem Rundgang. Kulturinteressierten empfehle ich die Benutzung des deutschsprachigen Audioguides.

Im anschließenden Stadtrundgang arbeitete ich mich stadtauswärts an den Souvenirständen vorbei. Das Straßenbild änderte sich und es waren immer mehr Marktstände für Güter des täglichen Bedarfs zu sehen. Wieder gab es eigene Straßenzüge für Silber-, Gemüse- und Textilienhändler, dazwischen Essensstände mit kleinen Köstlichkeiten für zwischendurch.

Bootstour am Pichhola See

Fischer am Pichhola See, Udaipur
Fischer am Pichhola See

Am späten Nachmittag habe ich dann, direkt an der Anlegestelle, die Sonnenuntergangs-Bootstour auf dem Pichhola See gebucht. Vom See aus bot sich ein etwas anderer Ausblick auf Udaipur und den Taj Lake Palace. Leider war es an diesem Tag etwas bewölkt, sodass ich keine wirklich schöne Sonnenuntergangsstimmung mit der Kamera einfangen konnte. Es war aber auch so ein empfehlenswertes Erlebnis.

Rund um den See

Tags darauf mietete ich mir ein Mofa, um auch die nähere Umgebung von Udaipur zu erkunden. Durch den sehr dichten Stadtverkehr der engen Innenstadtgassen habe ich mich Richtung des Monsunpalastes begeben. Die Besichtigung desselben habe ich dann aber aus Budgetgründen ausgelassen. Er soll aber angeblich sehenswert sein.

Karan and friends
Karan and friends

Auf meiner Fahrt rund um den Pichhola See, entdeckte ich einen schönen Aussichtspunkt auf Udaipur. Dort saßen bereits drei Jugendliche die mich freudig begrüßten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass alle 3 angehende Tourguides waren und einer von ihnen heute Geburtstag hatte. Sie wollten mich gleich einladen, ich musste aber aus Zeitgründen absagen, da ich einen Nachtbus um 20 Uhr nach Jaisalmer gebucht hatte. So bekam ich noch aber ein paar Tipps von ihnen. Danach haben wir ein paar Fotos gemacht, Facebook, WhatsApp und Instagram Daten ausgetauscht. Einer von ihnen begleitete mich dann sogar noch zur Talstation der Seilbahn auf den Machhla Berg.

Aussicht vom Machhla Berg

Aussicht auf den Stadtpalast vom Macchla Berg

Die Seilbahnfahrt auf den Machhla Berg ist am besten am späten Nachmittag bzw. frühen Morgen zu empfehlen. Die Stadt mit dem Stadtpalast wird dann in ein schönes weiches Licht getaucht. Die Aussicht ist also fantastisch und perfekt um zu fotografieren. Alternativ kann man, die gerade mal 100 m Höhendifferenz zum Aussichtspunkt auch zu Fuß zurücklegen. Ist halt ein wenig bequemer und schneller mit der Seilbahn. Außerdem kann ich jetzt sagen:“Ich bin in Indien mit einer Seilbahn gefahren.“ Wieder ein Punkt auf meiner Liste abgehakt.

Auf nach Jaisalmer

Wieder im Hotel angekommen, packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf dem Weg zum Nachtbus zur Wüstenstadt Jaisalmer. Den Bus zu finden, war jetzt gar nicht so einfach. Der Taxifahrer brachte mich an den bei der Ticketausstellung angegebenen Ort. Dort musste ich erstmals eine Runde mit dem schweren Rucksack am Rücken drehen, um das Reisebüro und die vermeintliche Busstation zu finden.

Ein paar jüngere Backpackerinnen warteten auch schon auf die Abfahrt. Zuerst hiess es aber noch einmal in ein kostenpflichtiges Taxi umsteigen (Frechheit) und zum weiter außerhalb gelegenen Busbahnhof zu fahren. Dort wollten Sie gleich nochmal Extrageld für meinen, zugegeben etwas großen Rucksack haben, was ich erbost verweigerte. Ging dann auch so. Im Bus war ich zuerst allein, auch die Mädchen von vorhin waren woanders hin gelotst worden. Seltsam.

You´re not alone

Auf einmal hörte ich eine helle Frauenstimme. „Hey, there is nobody in here. Where are the other ones?“ Worauf ich mich erleichtert meldete und sagte: „Don´t worry, you´re not alone“. Im nachfolgenden Gespräch kamen wir drauf, dass wir auf Deutsch besser kommunizieren konnten. Ich hatte Brigitte aus Bayern kennengelernt, und wir sollten in Jaisalmer noch einiges gemeinsam unternehmen. Es tat übrigens echt gut, wieder mal deutsch sprechen zu können. Jaisalmer war dann auch meine letzte Station in Rajasthan, bevor es in den Norden, in die Yoga-Welthauptstadt Rishikesh weitergehen sollte.

Bildergallerie

Udaipur – die Stadt am Pichhola See
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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3 thoughts on “Udaipur – die Stadt am Pichhola See

  • 18. März 2019 at 14:00
    Permalink

    Sonnenuntergang am Machhla See – das Nachtbild ist traumhaft schön!
    LGr
    Sonja

    Reply
    • 18. März 2019 at 14:48
      Permalink

      Danke Sonja, wenn ich daheim bin, kriegst einen Ausdruck im Großformat 🙂

      Reply
  • 20. März 2019 at 15:31
    Permalink

    Udaipur, wunderbare , herrliche Stadt . Deine Aufnahmen mein sind wieder fantastisch, auch wunderschön beschrieben, wir danken für die Teilnahme an deiner Reise. Weiterhin viel Vergnügen an deiner Reise.f.danzinger@!

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