Sivananda Yogazentrum Neyar Dam

Ashram

Da ich ja schon vor Jahren meine Yogalehrerausbildung in Indien machen wollte, war einer der Fixpunkte meiner Reise der Sivananda Ashram von Neyar Dam.

Vor 15 Jahren hatte ich bereits das Ticket dazu gebucht und mir dann aber 3 Wochen vor meiner geplanten Abreise bei einem Sturz mit dem Motorrad das Bein gebrochen. Das wars dann mal mit der Ausbildung. Im Jahr darauf habe ich diese in Österreich durchgeführt, aber meinen Traum einmal in Indien einen Ashram zu besuchen, habe ich nie ganz aufgegeben.

Dormitory

Also gleich hingeschrieben und nach einem Zimmer gefragt weil ich dort erstmals Yogaferien machen wollte. Die Vorfreude war groß, umso größer erstmal die Enttäuschung das statt dem gewünschten Zimmer nur mehr ein Platz im Schlafsaal zur Verfügung stand. Grund dafür ist die derzeit stattfindende einmonatige Yogalehererausbildung, mit fast 300 Teilnehmern. Oh je, jetzt muss ich mich auf meine alten Tage doch wirklich nochmal in einen Schlafsaal legen. Das letzte mal habe ich diese günstige Übernachtungsmöglichkeit auf meinem Interrailtrip genutzt, da war ich gerade mal 16 Jahre alt und hab es nicht sonderlich gemocht. Aber was soll´s, dachte ich, ist auch eine Erfahrung.

Schlafsaal, Kaffee, Shop, Om-Lotus-Card

Gesagt getan und schon stand ich vor den Ashramtoren um mich zu registrieren. Auch hier musste ich feststellen, das alles schon sehr geschäftsmäßig betrieben wird. Mindestaufenthaltsdauer sind 3 Tage. Na gut, dachte ich, da ich nicht sicher bin ob mir die Schlafsaalvariante gefällt, habe ich mal die 3 Tage gebucht, kann ja dann noch immer was anhängen, falls es mir doch gefallen sollte.

Wenn man mehr Tage bucht aber dann früher abreisen will, gibt es nämlich kein kostenfreies Storno. Du hast zwar Vollverpflegung beim zugegeben nicht sonderlich hohen Übernachtungspreis dabei, aber es gibt auch ein Cafe und einen Shop auf dem Gelände. Um hier einkaufen zu können, muss man aber eine eigene Prepaidkarte (OmLotuscard :-)) erwerben. Also hab ich mir mal ausgerechnet, was ich für die Tage hier so brauchen werde. Natürlich einmal eine Yogamatte und dann noch ein paar Erfrischungen.

Sivananda Yogazentrum Neyar Dam

Also hab ich mein Bett im Notlager unter einem Wellblechdach bezogen, die restliche regulären Plätze waren bereits ausgebucht. Ich hab mich ein wenig umgesehen und festgestellt, dass ich den Alterschnitt im Saal ziemlich angehoben habe. Gottseidank gab es aber auch ein paar Jungs in meinem Alter, die sich ebenfalls im Schlafsaal eingefunden haben.

provisorischer Schlafsaal im Sivananda Zentrum

Tagesablauf


Dann habe ich erstmals eine Asanasstunde genommen, und muss sagen, das hat verdammt gut getan. Es werden 2 Klassen parallel angeboten, eine für Beginners und eine für Intermediate (Fortgeschrittene). Der abendliche Satsang hat mich dann einmal sehr irritiert. Dazu muss man sagen, dass ich vor ca. 12 Jahren schon einmal ein Sivanandazentrum in Tirol besucht habe und die Spielregeln zu kennen glaubte.

Satsang ist die tägliche abendliche Zeremonie welche mit einer ca. halbstündigen Meditation beginnt, dann werden noch Mantras gesungen und dann geht es ab in die Falle. Ist soweit bekannt und finde ich auch gut, da die Gesänge in Verbindung mit den Übungen und der Meditation eine starke Wirkung haben.

Meditation und Smartphone

Nur das einige ihr Handy mit zur Meditation nehmen, dabei auch immer wieder etwas nachsehen, war schon eigenartig. Auch das manche ihre Geräte währendessen aufladen, fand ich sehr interessant. Meditation ist ja eine Konzentrationsübung und da sollten Ablenkungen bewußt vermieden werden, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Wie das mit Smartphones funktionieren soll, ist mir aber schleierhaft.

Hare Krishna

Das Abendessen war für mich ein Erlebnis. Unter lautem „Hare Krishna“ Gesang strömten wir hungrig in den Speisesaal. Die ausschließlich vegetarischen Mahlzeiten werden nämlich am Boden sitzend eingenommen und es wird mit den Händen, bzw. mit der rechten Hand gegessen. Die linke Hand gilt als unrein und sollte daher nicht verwendet werden. Es hat schon eine Weile gedauert bis ich den Bogen raus hatte. Reis mit den Saucen vermischen, dann mit der Hand zu kleinen Kügelchen formen und dann rein damit. Bei der Suppe war das dann ein wenig schwieriger, ging aber schlussendlich auch.

Vorbereitung zum Abendessen

No Photos

Am nächsten Tag habe ich die Morgenmeditation vorzeitig verlassen und bin leise nach draussen gegangen. Ich hatte Kreuzschmerzen und die nervöse Stimmung (Smartphones) im Saal hat mich gestört. Ich habe meine Kamera geholt um außerhalb der Yogahalle Fotos von der wirklich beeindruckenden Anlage und der sie umgebenden Landschaft zu machen.

Dabei wurde ich von einer Zentrumsmitarbeiterin doch tatsächlich ziemlich rüde angepflaumt. Das verstösst gegen die Regeln, meinte sie, und sie wird das an der Rezeption melden, wenn ich nicht gleich damit aufhöre. Währenddessen ich ihre Standpauke über mich ergehen liess, sitzen um mich herum ein paar angehende Yogalehrer mit ihren Handys und kommunizieren per Whatsapp oder checken ihre E-mails (sic).

Baden mit Krokodilen

In der offiziellen Pause bin ich dann mal nach draußen gegangen um mir die nähere Umgebung anzusehen. Direkt vor dem Zentrum gibt es einen Stausee in dem man wunderbar baden könnte, wären da nicht ein paar Krokodile im Wasser unterwegs, weshalb offiziell davon abgeraten wird.

Nachdem ich aber ein paar andere Besucher beim zwanglosen schwimmen beobachtet habe und offensichtlich keine Krokos zu sehen waren, wagte ich es auch und stürzte mich in die Fluten. Ich muss zugeben es war ein schon seltsames Gefühl und im Hinterkopf schwamm immer ein wenig die Bedrohung mit. Aber das Wasser war angenehm kühl und erfrischend. Die Außentemperatur steigt untertags ja doch auf über 30 Grad Celsius ab. Zugegebenermaßen hab ich mich nur ein paar Meter vom schützenden Ufer entfernt, aber immerhin.

Neyar Dam

Der zum Stausee gehörende Staudamm ist ein paar Minuten vom Zentrum entfernt und ebenfalls einen Besuch wert.

Tagesplan

Fazit

Ich bin nach 3 Tagen (Mindestaufenthaltsdauer im Ashram) wieder nach Kovalam zurückgefahren, um mir das einmal jährlich stattfindende Piercingfestival anzusehen (dazu dann noch später). Dort habe ich mich mit meinem Zimmervermieter Charles, übrigens ein sehr genialer Typ, über meine Erlebnisse und Eindrücke im Ashram unterhalten . Er hat mir von seiner Zeit dort erzählt, vor 30 Jahren als noch der alte Swami Devananda das sagen hatte.

Nach meinen Ausführungen hat er nur mit dem Kopf geschüttelt und laut gelacht. Damals gab es dort nur ein paar Bambushütten und die Stimmung war viel gelöster und offener als heutzutage. Er meinte auch das seit nach dem Ableben von Swami Devananda im Jahr 1993 und ein europäisches Management das Ruder übernommen hat, wenig vom ursprünglichen Flair und Spirit geblieben ist. Dafür gibt es jetzt aber ein Cafe, einen Shop und Free Wifi. Om Shanti.

Charles Micheals, Inhaber vom
Vedic Heritage Boutique Hotel in Kovalam

Swami Sivananda und die Entstehung des Zentrum

Exkurs zu Swami Sivananda (1887 bis 1963): Er entstammte einer Brahmanenfamilie und war lange Jahre in Malaysia als Arzt tätig. Im Laufe seiner Karriere lernte er viele unterschiedliche Religionen kennen was seine spätere spirituelle Tätigkeit maßgeblich beeinflusste.

Auf einer Pilgerreise nach Varanasi kam er nach Risikesh um dort in traditioneller Weise bei einem Meister, Swami Vishwananda Saraswati, in die Kunst des Yoga eingeweiht zu werden. 1936 gründete er in Risikesh seinen eigenen Sivanandaorden und bildete zahlreiche Schüler aus. Er erkannte das auch außerhalb Indiens die Praktiken der Yogalehre verbreitet werden sollten und einige seiner Schüler, u. a. Swami Vishnu Devananda (1927 -1993), gründeten im Westen eigene Schulen.

Die Lehren wurden für die westlichen Lebensweise angepasst, da in Europa oder Amerika kaum jemand die Zeit und Muße hat, jahrelang in einer intensiven Meister/Schüerbeziehung zu leben, um die Kunst des Yogas zu erlernen. Es ist als sein großer Verdienst anzusehen, das Yoga in der westlichen Welt eine so große Verbreitung gefunden hat.

Sivananda Yogahalle in Neyar Dam
Sivananda Zentrum in Neyar Dam
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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2 thoughts on “Sivananda Zentrum in Neyar Dam

  • 28. Jänner 2019 at 14:02
    Permalink

    Hallo Martin,
    deine Ausführungen über das Sivananda Zentrum sind echt beeindruckend!
    Super, dass du diesen Blog eingerichtet hast und wir so immer am laufenden sind, was du alles so erlebst. Ich bin schon neugierig was noch alles kommt, denn die bisherigen Erlebnisse in dieser kurzen Zeit sind ja schon wahnsinnig toll.
    Alles Liebe, Claudia.

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    • 28. Jänner 2019 at 16:34
      Permalink

      Dankeschön Claudia,
      ich bin selber dankbar für den Blog, da man durch das Schreiben die erlebten Ereignisse nochmal Revue passieren lassen kann und dabei erkennt, wie toll es eigentlich ist, dass alles erleben zu dürfen. Also dranbleiben, da kommt noch mehr. GLG Martin

      Reply

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