Luang Prabang? Habe ich noch nie gehört. Bei unseren Erkundungen über Laos stossen wir immer wieder auf Luang Prabang. Von der schönsten Stadt in Südostasien, einem Juwel am Mekong und von famosen Wasserfällen war die Rede. Na dann, auf nach Luang Prabang.

Voller Erwartungen ziehen wir frühmorgens los. Die Landschaft von Vang Vieng mit ihren wunderschönen Karstformationen zieht im sanften Morgenlicht an uns vorbei. Der Minibus der uns abholt ist leer. Mann haben wir Glück. Außer uns ist niemand für die Fahrt nach Luang Prabang angemeldet und wir können uns auf den Sitzen breit machen, die Fahrt auf der gut ausgebauten Straße genießen.

Neue Seidenstraße

In Reiseberichten haben wir oft von den schlechten Straßenbedingungen in Laos gelesen, und waren deshalb vom guten Zustand der Infrastruktur überrascht.

Mit massiver chinesischer „Unterstützung“ wurde in den letzten Jahren gebaut und saniert. China hat in ganz Asien Projekte im Rahmen der neuen Seidenstraße mitfinanziert, um seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Region weiter auszuweiten. Es entsteht gerade eine Hochgeschwindigkeitsbahnlinie, die China über Laos und Thailand mit Malaysia verbindet. Baustellen neben der Straße zeugen von dem Megaprojekt.

Problematisch ist, dass die chinesischen Firmen ihr eigenen Arbeiter aus China mitbringen, die heimische Bevölkerung profitiert also nicht von den Bauarbeiten.

Schattenseite des Aufschwungs

Die Schattenseiten einer aufstrebenden Volkswirtschaft sind während der Fahrt überall zu sehen. Weitläufige Rodungen prägen das Landschaftsbild. Dort wo vor kurzem noch Urwald die steilen Hänge säumte, sehen wir braune Wiesen oder verkohlte Baumstümpfe. Brandrodungen, die aus der traditionellen Landwirtschaft kommen, wurden zum abbrennen der Felder nach der Ernte eingesetzt.

Heute wird vermehrt neues Ackerland, für die in Verruf gekommene Palmölpoduktion gewonnen, und uralte Waldbestände unwiderruflich vernichtet. Die zusätzlichen Rodungen verschärfen die ohnehin schon starke Luftverschmutzung.

Bush Meat

Am Straßenrand wird frisch erlegtes Wild angeboten, wir halten an. Ein Rebhuhn ähnlicher Vogel und ein riesiges Nagetier, es erinnert an einen Biber, stehen zum Verkauf. Fachkundig untersucht unser Fahrer die Tiere, und kauft dann doch nicht. Die Kadaver hängen schon zu lange in der heißen Luft.

Unesco Weltkulturerbe

Luang Prabang ist mit 60.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes, und sogar noch beschaulicher als Vientiane, die Hauptstadt im Süden. Der Hauptgrund, warum jährlich 600.000 Besucher nach Luang Prabang kommen, ist die wunderschöne Innenstadt mit ihren liebevoll restaurierten Gebäuden aus der französischen Kolonialzeit. Von der UNESCO wurde die Stadt 1991 zum Weltkulturerbe ernannt.

Vor Jahren gab es den Plan, Luang Prabang durch eine neue, breite Straße, die mitten durch das historische Zentrum führen sollte, an die Handelsroute mit China anzubinden. Proteste und der drohende Verluste des Weltkulturerbes verhinderten diesen Bau. Stattdessen wurde die Straße um die Stadt herumgeführt. Die Stadt hat nochmal Glück gehabt.

Spielball internationaler und lokaler Mächte

Luang Prabang war in den vergangenen Jahrhunderten ein Spielball lokaler und internationaler Mächte. Siamesen, Burmesen und zuletzt die Franzosen besetzten die Stadt.

Der letzte König

Luang Prabang war die Residenz des letzten Königs. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahre 1975 wurde er gestürzt und in ein Umerziehungslager gebracht, wo er 1994 unter ungeklärten Umständen verstarb.

Wir beziehen ein Zimmer im wunderschönen Hotel „Villa Maydou“ . Der Kern der Anlage besteht aus liebevoll restaurierten Kolonialbauten, neue Fachwerkkonstruktionen ergänzen die geschmackvolle Anlage. Ein lebensrettender Pool ist auch vorhanden.

Villa Maydou

Rauf aufs Fahrrad

Am Nachmittag machen wir gleich volles Programm. Wir erkunden die Altstadt mit den Fahrrädern. Zuerst die Hauptstraße runter an die Spitze der Halbinsel, von dort auf den Mount Phou Si, Sonnenuntergang schauen. Danach schieben wir unsere Fahrräder unter den bunten Baldachinen des Nachtmarktes aus der Innenstadt. Erschöpft und hungrig fielen wir in ein Restaurant abseits des Zentrums ein.

Schnell mal Haareschneiden

Gleich neben dem Lokal befand sich ein Friseurladen und ich habe die glorreiche Idee, mir vor dem Abendessen noch schnell die Haare schneiden zu lassen. Wir bestellen das Essen, ich springe rüber und kam gleich an die Reihe.

Dann volles Programm: waschen, schneiden und sogar noch eine Rasur. So gründlich will ich das gar nicht. Mittlerweile wird unser Essen serviert, man war ich hungrig. Als ich dachte es sei vorbei, wurde ich sanft auf einen Stuhl gesetzt. Nochmals Haare waschen. Es ist aber noch immer nicht vorbei. Die Friseurin beginnt meinen Nacken zu massieren. Zuerst sanft im Liegen, dann geht es im Sitzen weiter. Die gesamte Prozedur dauert eine dreiviertel Stunde.

Doris ist ein wenig sauer, weil sie alleine essen musste. Ich auch, weil mein Abendessen inzwischen kalt ist. Aber egal, dafür ist mein Rücken entspannt und ich bin wieder halbwegs adrett anzusehen.

Tat Kuang Si Wasserfall

Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen. Ein Ausflug zum 30 Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Tat Kuang Si Wasserfall steht auf dem Programm. Sie sollen das Naturhighlight schlechthin sein. Die Wasserfälle die wir bisher in Südostasien besichtigten, waren eher dünne Gerinnsel, in einer netten Umgebung, aber eben nur dünne Gerinnsel. Trockenzeit eben. Aber schauen wir mal. Nach unserem Islandtrip vor ein paar Jahren, sind wir anspruchsvoll geworden, was Wasserfälle angeht.

Tat Kuang Si
Tat Kuang Si

Vorsicht Schlagloch

Wir borgen uns für den Ausflug ein Motorrad aus, um am nächsten Tag möglichst früh vor den Reisegruppen dort zu sein. Die ersten Läden öffnen gerade und der Duft der Essensstände begleitete uns aus der Stadt. Es ging an Ressorts vorbei, die Straße folgt einem Bach und ein Teil des Weges führt entlang des mächtig breiten Mekong. Die Straße ist gespickt mit heimtückische Schlaglöcher, es heißt aufmerksam fahren.

Vor den Wasserfällen stellen wir das Motorrad am Parkplatz ab. Die zahlreichen Essens- und Souvenirstände im Eingangsbereich lassen erahnen, wie beliebt diese Attraktion ist und was sich hier untertags abspielen wird.

Bärengehege

Auf dem Weg zum Wasserfall kommen wir an mehreren Bärengehegen vorbei. Die Tiere stammen von illegalen Tierhändlern und werden hier wieder gesundgepflegt.

Erst die Anstrengung …

Und dann schimmern die ersten Wasserbecken durch den Wald. Wow, was für ein Anblick. Helles türkisfarbiges Wasser glitzert in der Morgensonne. Es schein uns richtig anzuschreien: Komm, zieh dich um, spring rein.“ Doch wir bleiben stark. Erst wollen wir bis an den Ausgangspunkt des 30 Meter hohen Wasserfalles wandern.

Tat Kuang Si, Luang Prabang
Tat Kuang Si, Luang Prabang

Vorbei an weiteren wunderschönen Becken, schlurfen wir den immer steiler werdenden Weg nach oben. Dann heißt es gut festhalten, mit Wasser umspülte, glitschige Stufen müssen kurz vor dem Ziel noch überwunden werden. Oben belohnt uns ein herrlicher Ausblick auf das umliegende Tal für die Strapazen des Aufstiegs.

Tat Kuang Si, Luang Prabang
Tat Kuang Si, Luang Prabang

Am Rand des Baches sitzt ein Mann, der uns eine Bootsfahrt anbot. Das Boot selbst ist wenig vertrauenswürdig, schon leck und halb unter Wasser. Nein danke, lieber nicht.

Der Wasserfall ist wirklich etwas Besonderes. Selbst während der Trockenzeit führt der ihn speisende Bach immer ausreichend Wasser.

… dann das Vergnügen

Nach dem Abstieg, dann die Belohnung, was soll ich sagen. Es ist einfach herrlich. Wie Kinder tollen wir (okay, vorallem ich) in den kühlen Wasserbecken umher. Der Ausflug zum Tat Kuang Si Wasserfall ist eines der Highlights unseres Laostrips. Mittlerweile sind die ersten Busse aus der Stadt angekommen und es wird richtig voll. Froh so zeitig aufgestanden zu sein und erfrischt vom kühlen Bad, fahren wir nach Luang Prabang zurück.

Tat Kuang Si, Luang Prabang
Tat Kuang Si, Luang Prabang
Tat Kuang Si, Luang Prabang
Tat Kuang Si, Luang Prabang

In den nächsten Tagen besichtigten wir die weiteren Highlights von Luang Prabang, bevor es mit dem Boot weiter an die thailändische Grenze geht.

9 Highlights die du in Luang Prabang gesehen haben solltest

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Luang Prabang – das Juwel am Mekong
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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2 thoughts on “Luang Prabang – das Juwel am Mekong

  • 18. Juni 2019 at 9:22
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    Hallo Martin,
    das sind ja wunderschöne Fotos. Klingt nach einem echt beeindruckendem Erlebnis. Es ist immer wieder schön, deine Berichte zu lesen und die tollen Fotos anzusehen.
    Alles Liebe, Claudia.

    Reply
    • 9. August 2019 at 12:28
      Permalink

      Danke Claudia, schön das dir meine Berichte und Fotos gefallen. Das spornt mich an noch mehr zu liefern. Liebe Grüße
      Martin

      Reply

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