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Kalkutta wurde 1495 erstmals unter dem Namen Kalikata urkundlich erwähnt. Jährlich pilgern viele Millionen Pilger in die als heilig geltende Stadt der Todesgöttin Kali, deren Verehrung ausschlaggebend für die Namensgebung der Stadt war. 1690 wurde hier das Hauptquartier der Britischen East India Company gegründet. Seitdem war Kalkutta das wichtigste Handelszentrum der Briten in Indien. Ganz in der Nähe hatte die Franzosen, die Niederländer und die Portugiesen bereits ähnliche Stationen errichtet.

Die Stadt war immer hart umkämpft und wurde einmal sogar von den Moguln im Jahr 1757 eingenommen. Das war aber nur ein kurzes Intermezzo. Innerhalb eines Jahres eroberten die Briten die Stadt zurück und gliederten diese wieder in die Verwaltung der East India Company ein. Bis 1911 war die Kalkutta sogar Hauptstadt der Kolonie britisch Indien. Mit dem Bau des Suezkanals und der stärker werden Bedeutung der Stadt Mubai als Handelszentrum, begann der Abstieg der Stadt. 1911 wurde der Sitz der Hauptstadt nach Delhi verlegt. Seit 1947 ist Kalkutta die Hauptstadt der Provinz Westbengalen und beherbergt momentan 14 Millionen Einwohner.

Elend in Kalkutta

Viel hatte ich schon im Vorfeld über Kalkutta gehört. Das Elend soll hier viel schlimmer sein als in anderen indischen Städten. Bettler und Krüppel sollen an allen Ecken und Enden der Stadt zu finden sein. Als nach ich nach 25 Stunden Fahrt aus dem Zug ausstieg, war ich auf das Schlimmste gefasst. Doch vorerst einmal – nichts. Nicht einmal die übliche Traube von Taxifahrern die mich sonst umkreiste wenn ich aus dem Zug kam. Ein paar Mal werde ich eher halbherzig angesprochen. Aber das war es auch schon. Der Bahnhof wirkte wie viele andere in Indien, ein wenig versifft, aber um diese späte Uhrzeit ungewöhnlich menschenleer.

Vor dem Bahnhof dann auch ein eher aufgeräumtes Großstadtbild. Es gab sogar einen eigenen Uber Taxistand, bei dem man zu günstigen Konditionen einen fahrbaren Untersatz in die Stadt buchen konnte.

Ein Lob der indischen Küche

Mein Quartier war direkt über ein Restaurant gebaut, in das ich sofort hungrig einfiel und gleich einmal zwei Hauptspeisenportionen verdrückte. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe. Es mag vieles geben, das in dem Land nicht funktioniert, aber die Küche haben sie in Indien perfektioniert. Die meist vegetarischen Gerichte haben eine Raffinesse, die ich bisher auf der ganzen Welt noch nicht erlebt habe. Auch was du bei uns in den indischen Restaurants vorgesetzt bekommst, mag zwar manchmal auch gut sein, hat aber mit den traditionellen Gerichten, die in Indien serviert werden, wenig zu tun. Soweit mein Lob auf die Kochkunst der Inder.

Einen Fehler sollte man allerdings nicht machen. Schaut euch niemals die Küche an. Die hygienischen Zustände dort sind meistens dermaßen schlecht, dass ein so geführtes Restaurant bei uns wahrscheinlich innerhalb von 5 Sekunden von der Gesundheitsbehörde geschlossen würde. Aber egal, es schmeckt hervorragend und mein Magen hat die Begegnung mit der indischen Kulinarik bisher unbeschadet überstanden.

Milchprodukte in Indien

Ich bin sogar durch Zufall darauf gekommen, dass ich sogar das indische Leitungswasser mittlerweile vertragen dürfte. Und das kam so. Wie so oft davor bestellte ich mir ein Glas Mangolassi. Dieses köstliche joghurthältige Getränk ist in ganz Indien in hervorragender Qualität erhältlich. Dazu muss man wissen, dass die Milch für alle Milchprodukte, also Lassi, Paneer(indischer Frischkäse mit tofuähnlicher Konsistenz) und das vorzügliche Joghurt von den omnipräsenten Straßenkühen gewonnen wird.

Die Produkte kommen also großteils nicht aus irgendwelchen Molkereien, wo die Milchprodukte wie bei uns zu Tode pasteurisiert und sterilisiert werden. Man bekommt regionale, unverfälschte, stets frische Rohmilchprodukte. Da sind die Inder übrigens streng. Alter Paneer wird sofort entsorgt. Speziell in Straßenküchen oder kleinen Restaurants kann man sicher sein, dass die Milchprodukte auf dem Teller oder im Glas von Kühen aus der Nachbarschaft gewonnen werden. Daheim habe ich Probleme beim Verzehr von Molkereiprodukten und sollte diese daher eher meiden. In Indien konnte ich problemlos alles was mir vorgesetzt wurde verzehren, ohne die geringsten Anzeichen von Beschwerden zu bekommen.

Aber zurück zum Lassi. Ich bestelle mir an einem Straßenstand, wieder einmal ein Glas Mangolassi und sehe erstmals life bei der Herstellung zu. In Kalkutta verwendeten Sie Mangosirup statt wie sonst die reife frische Frucht, aber gut. Und dann sehe ich, wie der Mann am Stand in einen Tiefkühlbehälter greift und eine Handvoll Eiswürfel in das Glas tut und dieses dann im Mixer mit dem Lassi vermengt. Ich war jetzt ein bisschen geschockt.

Lassi- und Michshakestand
Lassi- und Michshakestand

Meide das Leitungswasser

Die Regel Nummer 1 für jeden Indienreisenden lautet: Meide das Leitungswasser und natürlich auch die daraus gewonnenen Eiswürfel, sonst ist eine Durchfallerkrankung garantiert und du bist mehrere Tage außer Gefecht gesetzt. Aber welch Wunder, zwei Monate Indien haben meine Darmflora anscheinend an die hiesigen Gegebenheiten angepasst und auch diesmal kam ich ungeschoren davon.

Aber gut. Wie sieht es jetzt mit dem vielzitierten Elend in Kalkutta aus. Wie schon am Bahnhof konnte ich keine Anzeichen von außergewöhnlicher Armut entdecken. Okay, vis a vis meines Quartiers haben viele Leute auf dem Gehsteig geschlafen, das war aber in Indien nichts Ungewöhnliches, und die Leute wirkten auch nicht ausgemergelt oder hungerkrank. Wider Erwarten wurde ich bisher auch noch kein einziges Mal angebettelt. Mein Quartier befand sich in unmittelbarer Nähe zum Mother House, der ehemaligen Wirkungsstätte der mittlerweile heiliggesprochenen Mutter Teresa. Das Haus ist gleichzeitig eine der Hauptattraktionen Kalkuttas. Ich befand mich also in der Nähe der bekanntesten Armenmission Indiens. Auch hier konnte ich keine Konzentration von Elend ausmachen.

Mother House

Neugierig machte ich mich nächsten Morgen auf den Weg ins besagte Mother House, und ließ mich von Google Maps durch das Gassenlabyrinth von Kalkutta leiten. Ich passierte einige Märkte, Schulkinder in schicken Uniformen kreuzten meinen Weg und ehe ich mich versah, stand ich vor der Mission. Ein großes Bild kündete von der Wirkungsstätte von Mutter Teresa, von den meisten einfach Mother genannt.

Gespannt betrat ich das unscheinbare Gebäude und wollte schon meine Geldbörse für das Eintrittsticket zücken. Eine Ordensschwester drückte mir einen Fotoabdruck in die Hand, den ich irrtümlich für das Ticket gehalten habe. Ein Blick darauf ergab, dass es sich dabei einfach um ein Foto von Mutter Theresa handelte, und jeder Gast bekam beim Betreten des Gebäudes dieses Bild geschenkt. Das war es, ich war drin wurde nicht einmal um eine Spende gebeten. Kurz erklärte man mir, wie ich mich zu verhalten hätte. Fotos sind nur am Grab von Mother erlaubt und das war es.

Zuerst betritt man über einen aufgeräumten Innenhof die kleine Ausstellungshalle. Dort findet man Bilder, Manuskripte, und Kleidungsstücke, die Mothers Wirken in Kalkutta bezeugen. Ich hatte in der Vergangenheit schon einiges über das Leben dieser berühmten Missionschwester gehört bzw. gelesen und es waren auch einige kritische Berichte dabei. Was sich mir in dieser Ausstellung offenbarte, trieb mir die Tränen der Demut und Bewunderung in die Augen.

Motherhouse, Kalkutta

Die Tochter aus einer wohlhabenden albanischen Kaufmannsfamilie fasste mit nur 12 Jahren, vier Jahre nach dem Tod ihres Vaters, den Beschluss Ordensschwester zu werden. Ihr Orden, eine Zweigorganisation der englischen Fräulein, unterhielt eine Mission in Bengalen, wohin sie kurz nach ihrer Einschulung in Irland geschickt wurde. Dort soll sie eine unauffällige, freundliche Ordensschwester gewesen sein. Nichts deutete damals daraufhin, was aus der kleinwüchsigen Frau einmal werden sollte.

Die Heilige der Gosse

Nach eigener Aussage verspürte Sie bei einer Fahrt durch Kalkutta auf einmal den unbändigen Drang, den Armen zu helfen. Sie durfte auf eigenen Wunsch den Orden verlassen und lebte die ersten Jahre allein in Kalkutta auf der Straße, um den Armen der Stadt zu helfen. Aus dieser Zeit stammt ihr Beiname, die Heilige der Gosse. Mit der Zeit schlossen sich ihr ehemalige Ordensgenossinnen an und 1950 gründete sie ihre eigene Ordensgemeinschaft, die später auch vom Papst anerkannt wurde. Der Orden verschrieb sich der Hilfe für die Armen, Kranken und Schwachen der Stadt. Die Ausstellung vermittelte ein Bild, wie elend es damals in Kalkutta zugegangen sein muss.

Grab von Mutter Teresa im Motherhouse KAlkutta
Grab von Mutter Teresa im Motherhouse Kalkutta

Nach dem Besuch der Ausstellung war ich dermaßen beeindruckt, dass ich sofort etwas für das Haus spenden wollte. Ich musste mehrmals nachfragen, wo ich etwas Geld lassen konnte. So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Kein aufdringliches Spendengesülze. Nur wenn man wirklich geben wollte, dann konnte man, wenn man hartnäckig genug war. Das Gebäude dient auch heute noch als Hospiz und die Räumlichkeiten mit den Sterbenden konnten selbstverständlich nicht besucht werden.

Ein zwiespältiges Bild

Im Nachhinein habe ich mich ein wenig tiefer mit dem Leben von Mother beschäftigt und es bot sich mir ein zwiespältiges Bild. Es ging darin unter anderem um übertriebenen Missionseifer, unterlassene Hilfeleistungen und schlechte hygienische Bedingungen, obwohl genug Geld vorhanden war. Ihre extreme Ablehnung und Stellungnahmen gegen das Abtreibungsrecht von Frauen war auch so ein Punkt. Ihre versuchte Beeinflussung der Volksabstimmung in Irland, welche die Einführung der Scheidung in dem stark katholisch geprägten Land zum Thema hatte, im Sinne der katholischen Kirche, war ein anderer dunkler Punkt in ihrem Lebenslauf. Dann gab es auch noch die Affäre um Spendengelder, die sie aus zweifelhaften Quellen von einem amerikanischen Großinvestor bekam. Alle diese Fakten lassen Zweifel an dem Mythos der unantastbaren Heiligen aufkommen.

Mutter Teresa wurde übrigens 2016 von der katholischen Kirche heiliggesprochen. Es geht das Gerücht um, dass der Mythos um die Heilige aus der Gosse von der katholischen Kirche gezielt, als PR Aktion, künstlich aufgebaut wurde.

Wie auch immer, für mich war der Besuch ein eindrucksvolles Erlebnis, und ich denke jeder Charakter hat seine dunklen Seiten. Sie soll auch immer mit ihrem Glauben gekämpft und ihn laufend hinterfragt haben, was sie für mich hochsympathisch macht. Ich denke aber das Mother gerade in den Anfangsjahren ihrer karitativen Tätigkeit, als sich sonst niemand um die schwächsten der Gesellschaft gekümmert hat, einen wertvollen humanitären Beitrag geleistet hat.

Wer arm und krank ist, ist selber schuld

Noch dazu ist im hinduistischen Glauben Armut und Elend ein Zeichen von schlechtem Karma. Das bedeutet man wird für böse Taten vergangener Leben bestraft, und ist somit, laut Hindulogik, selbst für die Misere seines jetzigen Daseins verantwortlich. In Anbetracht dieser Tatsache, kann man die ursprüngliche Hilfeleistung für die Ärmsten der Armen, nicht stark genug würdigen.

Im seinem Buch „Shiva Moon: Eine Reise durch Indien“ beschreibt der von mir sehr geschätzte Autor, Helge Timmerberg, in einem Kapitel seine Erlebnisse im Motherhouse. Viele Leute wie er nutzen ihren Urlaub dazu, indem sie in die Mission kamen um Sterbenden in ihren letzten Tagen und Stunden zu begleiten. Sie kamen um den Patienten im Hospiz bei einfachen Tätigkeiten zu helfen, zu denen diese selbst nicht mehr im Stande waren. Oder wenn sonst nichts mehr half, durch schlichtes streicheln, damit die Sterbenden ihre letzten Tage so angenehm wie eben möglich verbringen konnten. Seit nach Mutter Teresas Tod die katholische Kirche die Ordensführung übernommen hat, haben die meisten Freiwilligen den Konvent verlassen. Wegen Auffassungsunterschieden bei der Führung der Einrichtung.

Victoria Memorial

Victoria Memorial, Kalkutta, Indien
Victoria Memorial

Nachdenklich ging ich dann am frühen Nachmittag Richtung Fluss. Ich wollte noch das Victoria Memorial besuchen. Das Gebäude welches unter den Engländern im indo-sarazenischen Stil erbaut wurde, ist umgeben von einer gepflegten Gartenanlage und beherbergt ein Museum. Dieses Museum besitzt über 30000 Ausstellungsstücke, welche die Geschichte Kalkuttas zum Thema haben. Besonders interessant fand ich den Teil der die jüngere Vergangenheit der Stadt, also die Kolonialgeschichte aus der Perspektive Indiens behandelte.

Victoria Monument, Kalkutta
Victoria Monument, Kalkutta

Bis jetzt war ich von Kalkutta recht positiv beeindruckt. Der angekündigte Kulturschock traf mich nicht. Die Stadt wird in der Reiseliteratur eher stiefmütterlich behandelt, als nicht so sehenswert wie z. B. die Städte Rajastans oder die Megacities Mumbai und Delhi. Ich hatte den Eindruck, dass die kommunistisch geführte Stadt auf einem guten Weg ist, ihren Einwohnern künftig ein besseres Leben zu ermöglichen. Das Straßenbild war geprägt von den üblichen Straßenmärkten, Essensbuden und Gebäuden in verschiedenen Zuständen des Verfalls. Manche ließen noch den ehemaligen kolonialen Glanz erahnen. Es gibt aber auch viele moderne Cafés und Restaurants von internationalem Format. Wie überall im ganzen Land gibt es auch in Kalkutta starke Gegensätze zwischen arm und reich.

Menschenrikschas

Eines hat mich jedoch stark irritiert. Kalkutta ist doch tatsächlich die einzige Stadt im ganzen Land, indem es noch Menschenrikschas gibt. Sie werden als Personentaxis aber auch für den Transport von schweren Lasten eingesetzt. Im restlichen Indien ist der Betrieb dieses archaiischen Verkehrsmittels mittlerweile verboten. Der kommunistische Bürgermeister meinte dazu lakonisch, dass jeder der zwei gesunde Beine hat, die Möglichkeit haben soll, so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist jetzt sicher kein erstrebenswerter Beruf, denn die Arbeit ist hart und schlecht bezahlt. Aber die Aussichten für Leute aus den unteren gesellschaftlichen Schichten sind so schlecht, dass sie keine andere Einkommensmöglichkeit haben. Aus diesem Gesichtspunkt ist es schwer den Einsatz dieses Verkehrsmittels zu verurteilen. Ich selbst habe mich aus Scham nicht getraut, so eine Rikscha zu benutzen. Es schien mir zu dekadent mich von einem Menschen, auf einem Wagen, durch die Stadt ziehen zu lassen.

Menschenrikscha in Kalkutta
Menschenrikscha in Kalkutta
Menschenrikscha in Kalkutta
Menschenrikscha in Kalkutta

Einen Tag hatte ich noch zur Verfügung bevor ich am Abend das Land verlassen sollte. Also machte ich mich wieder einmal zu Fuß auf dem Weg. Vielleicht entdecke ich ja noch, das besagte, elende Kalkutta, von dem soviel berichtet wurde. Aber soviel vorab, ich wurde diesbezüglich Gott sei Dank enttäuscht. Es gab zwar Szenen, die erahnen ließen wie viel Armut es in der Stadt gab. Leute wuschen sich auf dem Gehsteig mit Wasser das aus den Hydranten floss. Da waren die bereits beschriebenen Menschenrikschas, aber das richtige grauenvolle Gesicht des Elends hat sich mir in der Stadt Kalis nicht offenbart.

Zu Fuß durch Kalkutta

Mein Ziel war der, dem Gott Shiva geweihte, weit nördlich außerhalb des Zentrums gelegene Dakshineshwar-Tempel. Die ersten paar Kilometer legte ich zu Fuß zurück und kam an ehemals schönen kolonialen Gebäuden vorbei. Ein interessanter Büchermarkt kreuzte meinen Weg. Ein fast ein Kilometer langer Teil der breiten Straße war mit Bücherständen gesäumt. Vom Trivialroman, über Schulbücher und mathematische Abhandlungen bis hin zu Weltliteratur wurde alles angeboten. Neu, gebraucht oder schlicht und einfach Raubkopien von Originalwerken.

Gebäude im Kolonialstil, Kalkutta
Gebäude im Kolonialstil, Kalkutta
Gebäude aus der Kollonialzeit
Buchmarkt in Kalkutta
Buchmarkt in Kalkutta

Fotografieren verboten

Die letzten Kilometer zum Tempel nahm ich mir ein Taxi. Dort angekommen, erfuhr ich, dass ich alle meine Wertsachen inkl. Kamera am Eingang abgeben musste. Irgendwie war ich nicht gut drauf und es ärgerte mich, dass ich den weiten Weg zu diesem Tempel gemacht hatte und ihn dann nicht fotografieren konnte. So beschloss ich den ziemlich gut besuchten Tempel, das Gedränge war groß, nur kurz von außen zu bewundern (sehr kurz) und ging dann ans nahe gelegene Gangesufer.

Dort hatte ich ein letztes Mal einen Ausblick auf den mächtigen Strom, so dachte ich. Bereits seit Rishikesh begleitete mich dieser Fluss auf meiner Indienreise. Vom wilden Bach, in dem Touristen ihr Raftingvergnügen genossen ist nicht mehr viel zu bemerken. Der Fluß war in Allahabad schon ziemlich breit und ich war Zeuge des gigantischen Kumbh Mela Festivals mit seinen über 100 Millionen Besuchern. In Varanasi sah ich wie die Asche von Toten dem heiligen Fluss übergeben wurde und Leute darin ihre rituellen Waschungen vornahmen. In Kalkutta war der Strom schon sehr mächtig und würde sich einige Kilometer flussabwärts in ein gewaltiges Delta aufspalten und schlussendlich in die Andamanensee münden.

Moment, Kalkutta liegt gar nicht am Ganges

Nachträglich kam ich dann zu der Erkenntnis, dass ich einem weit verbreiteten Irrtum erlegen bin. Der Fluss den ich für den Ganges hielt ist eigentlich der, auch ziemlich mächtige, Hugli. Nur zur Richtigstellung.

Noch einmal genoss ich vor dem Tempel das angebotene Streetfood und machte mich zu Fuß auf dem Weg in die Innenstadt.

Dabei kam ich durch ein Viertel, wie ich es bis jetzt in Indien noch nicht erlebt hatte. Es war ein sauberes, ruhiges Vorstadtidyll, teilweise sogar verkehrsberuhigt und für Indien sehr ungewöhnlich, beinahe menschenleer. Kein Müll auf der Straße, keine Ausscheidungen von Hunde oder Kühen, nichts von alledem war zu sehen.

Time to say Goodbye

Abends hieß es dann Abschied nehmen. Zwei wahnsinnig intensive Monate lagen hinter mir und ich werde noch lange von den Erlebnissen in Indien zehren. Mein Weg führte mich von den Küsten Keralas, nach Tamil Nadu, in die kühlen Berge Südindiens mit ihren Teefeldern. Von dort ging es in die Küstenstadt Kochi, dann über Ooty ins Strandparadies Goa, bevor ich in der Millionenstadt Mumbai eintraf. Danach erwarteten mich die mächtigen Forts und Paläste Rajastans gefolgt von den heiligen Städten am Ganges, Rishikesh, Allahabad und Varanasi und abschließend Kalkutta. Beim Schreiben dieses Textes bekam ich so langsam ein Bild, was ich so alles gesehen hatte. Erschreckend war für mich, dass es noch viele interessante Orte gibt, die ich aus Zeitmangel nicht einmal kurz streifen konnte. Die einzig logische Schlussfolgerung daraus um es mit Arnold Schwarzenegger zu sagen – „I´ll be back“.

Aussicht auf den Hugli
Aussicht auf den Hugli, nicht Ganges

Aber erstmals war ich wahnsinnig erleichtert, das erste und vielleicht schwierigste Land auf meiner Weltreise mit vielen positiven Erfahrungen hinter mich gebracht zu haben. Am Abend verließ ich Indien per Flieger Richtung Thailand. Die Millionenstadt Bangkok erwartete mich.

Kalkutta – die Stadt die nicht am Ganges liegt
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Martin Wieser

Ich bin Martin. Im zarten Alter von 49 Jahren habe ich beschlossen eine Auszeit zu nehmen, meinen Job gekündigt um mal ein Jahr die Welt zu erkunden. In meinem Blog beschreibe und bebildere ich meine Erlebnisse. Und ich habe eine Mission: deine Reiselust zu wecken.

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6 thoughts on “Kalkutta – die Stadt die nicht am Ganges liegt

  • 10. Mai 2019 at 12:58
    Permalink

    Bei der nächsten Reise nach Indien geht es dann in den Norden nach Himachal Pradesh und Ladakh, aber die machen wir dann gemeinsam!!
    Alles Liebe,
    Doris

    Reply
  • 10. Mai 2019 at 13:43
    Permalink

    Hallo Martin,
    danke dass wir durch deine Berichte auch ein wenig Indien kennen lernen durften. Es ist echt beeindruckend, was du alles erlebt hast!
    Ich wünsche dir für deine weitere Reise ebenso viele spannende Erlebnisse.
    Liebe Grüße aus der Heimat, Claudia.

    Reply
    • 13. Mai 2019 at 12:33
      Permalink

      Hallo Claudia,
      ja das war es wirklich, ich bin immer noch am aufarbeiten bin aber schon mehr als 2 Monate weg. Bald geht es mit Thailand weiter.

      Schöne Grüße in die Heimat
      Martin

      Reply
  • 12. Mai 2019 at 8:17
    Permalink

    Hallo Martin,
    Die Welt ist ein offenes Buch.
    Danke, dass wir mit dir mitlesen dürfen.

    👍👍Alles Liebe, Xia

    Reply
    • 12. Mai 2019 at 19:24
      Permalink

      Hi Xia,
      das mit dem offenen Buch kann ich nur bestätigen. Danke das du meinen Blog verfolgst.

      GLG
      Martin

      Reply

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